„Bauhaus-Architektur“: darunter verstehen einige Mitbürger jene Geräteschuppen, die heute die Gärten von Reihenhaussiedlungen belagern. Diese kann der geübte Handwerker an einem sonnigen Samstag unter schwitzen, fluchen und den fachkundigen Bemerkungen der versammelten Familie aufstellen. Es kann allerdings vorkommen, dass sich der schöne Schuppen nach einigen Jahren verzieht, weil das Fundament nichts taugte oder schlicht vergessen wurde. Auch wenn man sich den Vorplatz einer Königshalle betrachtet, kann man durchaus den Eindruck gewinnen, dass hier Stümper am Werk waren. Die Steine lieblos behauen, mit zerklüfteter Oberfläche, uneben verlegt und zum inline skaten so geeignet, wie das Dekolletee von Elisabeth Taylor. Hier hat das jedoch einen Hintergrund: die unebene Oberfläche reflektiert das grelle Licht weniger, das Wasser kann abfließen, die Fläche ist auch bei Schnee und Eis begehbar und die Offiziellen sind gezwungen, dem König gemessenen Schrittes und gesenkten Blickes entgegen zu gehen. Pfusch am Bau ist also keine Erfindung unserer Zeit. Bereits seit Jahrhunderten werden Bauherren kaltgestellt, indem unzulänglich ausgeführte Arbeiten mit spitzfindigen Erklärungen schöngeredet werden. Merke: Man kann ungestraft einen Misthafen im Vorgarten des übernächsten Nachbarn abladen, wenn man ihn nur wortreich als letzten Schrei vermarkten kann- aber wie bekomme ich jetzt die Kurve zu Beuys.
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