Freitag, 28. September 2012

Chuseok - Erntedank

Das Erntedank Fest "Chuseok" ist neben dem Neujahrsfest "Seollal" das höchste koreanische Fest und richtet sich nach dem Vollmond (http://de.wikipedia.org/wiki/Chuseok). Während dieser Feste ist der Besuch bei den Verwandten Pflicht, sprich den Eltern bzw. dem ältesten Bruder, der traditionell mit seiner Familie bei den Eltern wohnte. Dessen Frau muss an beiden Festen einen erheblichen Aufwand für die Zubereitung der traditionellen Speisen betreiben und muss auch während des Festes für den reibungslosen Ablauf sorgen. Wen wundert es bei dieser regelmäßigen Verwandtenplage, dass der älteste Bruder als Partner nicht mehr die erste Wahl ist? Ich bin ja der jüngere, aber leider liebe Koreanerinnen schon vergeben.

Freitag, 21. September 2012

Staugebühr


Am 22 September 2012 ist weltweit autofreies Fahren ausgerufen. Auch die großen Kaufhäuser in Seoul dürften den autofreien Tag begrüßen, denn bei ihnen kassiert die Stadt kräftig Gebühren. Kurioserweise handelt es sich um “Staugebühren”. Dieses Jahr zahlt “Time square” die höchste Summe als Stauverursacher von 1 Milliarde KRW (ca 683000 Euro ). Dies ergibt sich aus der Größe des Komplexes, denn die Gebühr beträgt 350 KRW/m2. Das Geld dient zum Ausbau des öffentlichen Verkehrs. So werden Rolltreppen an U-Bahn Stationen und digitale Anzeigen an Bushaltestellen finanziert. Vor diesem Hintergrund ist für mich um so erstaunlicher, dass ich mein Auto in der kaufhauseigenen Parkgarage kostenlos einstellen kann. Es reicht, wenn ich der Dame an der Parkhauskasse freundlich mit meinen 30 cm langen Kassenbon zuwinke und schon kann ich passieren- vorausgesetzt ich ergattere eine Lücke im Stau vor der Ausfahrt und dabei hilft wedeln mit dem Kassenbon nicht wirklich.

Mittwoch, 19. September 2012

Gangnam Style

Das YouTube Video des koreanischen Poppers (meine Generation kann mit diesem Begriff etwas anfangen) Psy hat es in den USA bis in die Nachrichtensendungen geschafft und es würde mich nicht wundern, wenn auch in Deutschland bereits einige den Pferdetanz verinnerlichen. Schließlich hat sogar der Spiegel das Thema im August aufgegriffen. Aber was ist eigentlich der besagte "Gangnam style". Gehen wir schlappe 50- 60 Jahre zurück in der Geschichte: die Stadt Seoul hat die Gegend südlich des Han Flusses noch nicht überwuchert und vor uns erstrecken sich lediglich Felder mit einigen versprenkelten ärmlichen Hütten. Heute ist aus der ärmlichen Gegend eines der wohlhabendsten Stadtviertel hervorgegangen, Nobelgeschäfte buhlen Schulter an Schulter um die Gunst der flanierenden Städter, Luxusfahrzeuge drängeln sich durch den breiigen Verkehr und die Raucher versammeln sich in designierten Zonen in ihrer Flucht vor dem wabernden Parfümduft. Wer hier ein Apartment besitzt, hat es geschafft und ein Blick in die Tiefgarage verrät den Stellenwert von Automobilen als Statussymbol. Natürlich gehen die Kinder der Arzte, Juristen, Schauspieler  und CEOs vorzugsweise in die internationalen Schulen. Dabei gibt es allerdings einen Haken. Wer der koreanischen Bildungshölle entgehen will, muss mindestens 3 Jahre im Ausland verbracht haben. Was also tun, wenn man diese Zeit nicht vorweisen kann? Gegen eine kleine Geldzuwendung an einen Mittelsmann wird der Lebenslauf des kleinen Vollblutkoreaners um eine Prise Auslandserfahrung in einer südamerikanischen Bananenrepublik aufgefrischt. Das also scheint der "Gangnam Style" zu sein, denn derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft in 60 Fällen von Dokumentenfälschung im Zusammenhang mit Auslandsschulen. Den Eltern drohen bis zu 5 Jahren Haft und vielleicht nutzen sie ja die Zeit, um den witzigen Pferdetanz zu lernen. Der kleine Hengst auf der Haube des Ferrari wird jedenfalls einige Zeit vergeblich auf einen Ausritt warten.