Samstag, 21. April 2012

Hoch hinaus


Wenden wir den Blick heute kurz zu den Nachbarn, denn Tokyo hat ein neues Wahrzeichen, den Sky Tree. 634 m Höhe misst dieser Funkturm für digitale Datenübertragung http://www.tokyo-skytree.jp/english/  und überragt damit spielend die 300 m Kolosse in Downtown. Kein Wunder- als zweithöchstes Gebäude der Welt. Gemäß Hamburger Abendblatt hat der Bau 790 Mill. € gekostet. Der Funkmast- also der Gebäudeteil, den wir als Spitze wahrnehmen- wurde beim Bau durch den Kern des Gebäudes nach oben geschoben und war noch nicht verankert, als das Erdbeben am 11. März 2011 zuschlug. Zu diesem Zeitpunkt kämpften die Bauingenieure auch ohne Beben mit dem Koloss, der drohte, durch Rotation von seinen Lagerstellen abzugleiten und dann als überdimensionaler Klöppel hoch oben im Turm herumzupendeln. Der dumpfe Klang dieser „Glocke“ dürfte tatsächlich eher zu koreanischer Palastmusik passen, denn hier finden Klanginstrumente aus Stein gerne Verwendung- womit die Brücke zu Korea geschlagen wäre. 
Seit dieser Woche nun dürfen Medienvertreter hoch hinaus. Das gemeine Publikum kann ab 22 Mai das unvergleichliche visuelle Erlebnis genießen, wenn der Blick an klaren Tagen über die Stadt schweift und sich in der Ferne der Kegel des Mt. Fuji über den Dunst erhebt. Zumindest dürfte dann eindeutig geklärt sein, warum man ein solches Gebäude im Deutschen gemeinhin als Fernsehturm bezeichnet.

Freitag, 6. April 2012

Grenzen der Besonnenheit

Wenn  Länder ihre Grenzen durch Mauern und Zäune sichern, dann stecken dahinter oft Schurken oder Arme- oder beides. Denken wir an Deutschland vor 1989, an die Grenze der USA zu Mexiko, die griechische Grenze zur Türkei (wie gemein- da sitzen die Armen vor der Grenze), die innerkoreanische Grenze. Diese wirft ihre Schatten fast bis Seoul, denn kaum hat man die Stadtgrenze Richtung Westen überschritten, begleitet einen entlang des Hangang ein abstoßender, mit Stacheldraht bewehrter Zaun und versperrt den Zugang zum Fluss. Wachtürme säumen das Ufer, Kameras beäugen dienstbeflissen das grasbewachsene Niemandsland  und Suchscheinwerfer brüllen Nachts auf die schläfrige Wasseroberfläche ein. Frieden fühlt sich anders an. Wen wundert es da, dass die zivilisierte westliche Welt empört und mit harschen Warnungen reagiert, wenn Nord Korea einen Erdbeobachtungssatelliten ins All schießen will. Israel hat übrigens auch einen Grenzzaun gebaut. Und wenn ich es richtig in Erinnerung habe, hat Israel offen mit einem Raketenangriff auf einen Nachbarstaat gedroht, der ein Bedrohungspotential darstellt. Aber - und hier mag meine Erinnerung trügen- damals hat sich keiner darüber empört. Außer mir - zumindest innerlich war ich außer mir! Denn was einem Deutschen passieren kann, der die Politik Israels anprangert, das ist schon k(G)rass. Unsere Medien empören sich mehr über das kitzeln der Feder eines machtlosen alten Mannes als über die offene Angriffsdrohung eines Staatschefs an den Schalthebeln der Macht. Da stößt mein Verständnis an seine Grenzen. Doch ich habe Hoffnung, schließlich gibt es entlang von Grenzen genügend Suchscheinwerfer zur Erleuchtung.