Sonntag, 28. August 2011

Teil 10: Krieg unter Brüdern 6/25

Bombardement der Eisenbahnbrücke
Am 25. Juni 1950 überschreiten nordkoreanische Truppen um 04:00 h morgens den 38 Breitengrad. Sie treffen nicht auf nennenswerten Widerstand. Während die Regierung die Bevölkerung Seouls in Sicherheit wiegt, bereitet sie bereits ihre Flucht vor. Noch bevor die Truppen des Nordens nach 3 Tagen Seoul erreichen, setzt sich die Regierung über den Hangang (kor. gang = Fluss) nach Süden ab. In der Nacht zum 28. Juni 1950 hört man in Seoul das ferne Grollen der Geschütze, als um 02:30 h ein Donnerschlag am Fluss den unruhigen Schlaf durchbricht. Die Strategen haben auf ihrem Rückzug nach Süden die einzige befahrbare Brücke über den Han hinter sich gesprengt. Bei Tagesanbruch werden auch die verbliebenen Eisenbahnbrücken aus der Luft zerstört. Als die Menschen am frühen Morgen vor den hereinbrechenden Feinden fliehen wollen, ist der Fluchtweg abgeschnitten. Aus dem seichten Fluss ragt lediglich das Stahlskelett der Brückenbögen. Besonders hart trifft es die verbliebenen Truppen der ROK, deren Rückzug abgeschnitten ist, viele Kämpfer erleben den Mittag nicht mehr. Um 11:30 h fällt Seoul.

Freitag, 26. August 2011

Teil 9: Rüsten zur Schlacht

Nach Ende der Kampfhandlungen im pazifischen Raum hatten die Siegermächte zwar ein vereinigtes Korea als Ziel definiert, doch die Vorstellung über die zukünftige politische Ausrichtung war nicht zur Deckung zu bringen. Und die Gräben vertieften sich. Bereits kurz nach der Ausrufung des Volkskongresses im Norden wurde dort mit der Aufrüstung begonnen. Das Verhältnis von Waffen und Truppenstärke war Anfang 1950 klar zu Gunsten des Nordens verschoben, der auch über T-34 Panzer aus der Sowjetunion verfügte, wohingegen der Süden keinen einzigen Panzer besaß. Und während Südkorea seinen Soldaten im Juni 1950 Urlaub für die Bewirtschaftung der Felder gewährte, wurden auf der anderen Seite der Demarkationslinie die Truppen mobil gemacht.

Montag, 22. August 2011

Teil 8: Holpriger Neuanfang

Pacific Defende Line/ War Memorial Seoul
Nach Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde durch Japan (02. September 1945) kam es zur Entwaffnung durch die Siegermächte, vertreten durch die US Armee im Süden und die Sowjetarmee im Norden. Bereits am 15. September wurde eine Koreanische Übergangsregierung gebildet und es kam zu den ersten Wahlen im Süden. Als Antwort stellte der Norden einen eigenen Volkskongress. Obwohl nur im Süden legitimiert, wurde die Südkoreanische Regierung – im Gegensatz zu der des Nordens- von den Vereinten Nationen anerkannt. Nachdem die Japaner entwaffnet waren, zogen sich die russischen Truppen im Dezember 1948 aus Korea zurück. Die Amerikaner folgten dem Beispiel im Juni 1949. Allerdings gab es ein geheimes militärisches Beistandsabkommen des Nordens mit Russland. Wohingegen der Außenminister der USA Dean Acheson einen eklatanten Fehler machte: als er in einer Rede am 12. Januar 1950 die Pazifische Verteidigungslinie festlegte, bezog er Südkorea nicht in den amerikanischen Schutzraum ein. Südkorea war von der politischen Landkarte des Westens verschwunden.

Freitag, 19. August 2011

Teil 7: Der 38. Breitengrad

Im Pazifischen Raum überschlagen sich die Ereignisse. Zwei Tage nach Abwurf der Atombombe über Hiroshima tritt am 08. August 1945 Russland in den Krieg mit Japan ein. Nun muss schnell eine Übereinkunft zu Korea getroffen werden, wenn der Einfluss der Russen dort beschränkt bleiben soll. Mitte August 1945 werden zwei junge Offiziere beauftragt, die amerikanische Zone für Korea zu definieren. Sie legen den 38 Breitengrad fest, der das Land etwa in der Hälfte teilt, die Hauptstadt Seoul aber auf amerikanischem Gebiet beläßt. Am 15. August kapituliert Japan (Kapitulationsurkunde siehe Bild) und bereits am 06. September 1945 wird der neue koreanische Staat ausgerufen. Die verhasste japanische Besatzung ist nach 35 Jahren Geschichte. Bereits zwei Tage darauf beginnen die Amerikaner, ihre Truppen in Südkorea zu stationieren, um die japanischen Truppen zu entwaffnen.

Montag, 15. August 2011

Teil 6: Unter der Hand

Einen ersten Einblick, was Japan Anfang des 20. Jahrhunderts auf der koreanischen Halbinsel zu suchen hatte, haben wir bereits erhalten. Warum interessiert uns das heute? Weil es mit der Teilung des Landes zu tun hat, denn wie anders hätte die Geschichte verlaufen können, wäre Korea 1945 ein souveräner Staat gewesen. So aber wurde es als Teil der Konkursmasse Japans zum Spielball der Siegermächte. Das Drama bahnte sich bei der Jalta Konferenz an, bei der Roosewelt Stalin zum Kriegseintritt mit Japan – mit dem Russland ein Neutralitätsabkommen hatte- bewegte. Dies sollte 90 Tage nach der Kapitulation Deutschlands geschehen. Im Gegenzug forderte Russland, dass Amerika die Unabhängigkeit der Mandschurei (damals von Japan besetzt) von China anerkennt. Damit wurde der Weg frei zur Besetzung der Mandschurei und Nord Koreas durch die Russen.

Samstag, 13. August 2011

Teil 5: Unter japanischer Besatzung

Der koreanische Kaiser war zu einer Marionette degradiert und natürlich sorgte Japan ganz selbstlos für Ruhe und Ordnung in seiner neuen Provinz. Mit der Annexion 1910 wurde der Generalresident durch den Generalgouverneur abgelöst. Man baute das Verkehrsnetz aus, reorganisierte die Verwaltung und führte ein Bildungssystem ein, welches jedem offen stand, nicht nur der Oberschicht. Doch wie bei jedem Medikament gab es durch die Annexion auch Risiken und Nebenwirkungen: Ausbeutung von Rohstoffen, Versklavung von Arbeitskräften für den Rohstoffexport nach Japan, versuchte völlige Ausmerzung der Sprache, Schrift, Kultur und Identität, politische Unterdrückung, Zwangsrekrutierung für eigene Militäreinsätze und erzwungene Prostitution. Koreas heutiger Stolz basiert nicht zuletzt auf dem Widerstandsgeist in der Gesellschaft gegen diese Unterdrückung. Es ist die bedingungslose Aufopferung für die Familie, den Freund und die Nation, die bereits in alten Erzählungen Koreas überliefert ist, und die das heutige Selbstverständnis Koreas ausmacht.

Donnerstag, 11. August 2011

Teil 4: Der letzte Kaiser - Persönliche Geschichte

Wohlmeinende Zeitzeugen beschreiben Sunjong als einsilbig, die rustikalen vermuten hinter seinem trägen Geist die Folgen der Inzucht. Als sein Vater Gojong 1907 gezwungen wird, die Macht an den 33 jährigen Sohn abzutreten, war Korea bereits unter japanischem Protektorat. Sunjong war zu schwach, um deren expansiven Politik etwas entgegen zu setzen und nach einem Attentat auf den japanischen Generalresidenten kam es am 22 August 1910 zur Annexion Koreas durch Japan, um die "öffentliche Ruhe und Ordnung wieder herzustellen". Dem letzten macht- und kinderlosen Kaiser Koreas blieb unter der Besatzung bis zu seinem Tode 1926 (evtl. durch Gift? Die Beisetzung: Sujongs Beerdigung- Filmmitschnitt) nicht viel zu tun, ergo ließ er in seinem Palast Changdeok, wo er unter Arrest stand, zwei Billardtische aufstellen und brachte es dort wohl zu einiger Könnerschaft. Möglicherweise kam es ihm ganz gelegen, nicht regieren zu müssen und wir hätten eine Erklärung für den Ursprung der Redewendung "Eine ruhige Kugel schieben".

Dienstag, 9. August 2011

Teil 3: Der Russisch- Japanische Krieg

Die Chinesen waren besiegt doch die Japaner hatten weiterhin großen Appetit. Diesmal auf die Rohstoffe der Mandschurei, doch diese hatte Russland im Jahr 1900 besetzt. Nun forderte Japan deren Rückzug. Es kam zum Russisch- Japanischen Krieg (1904-05) in dessen Folge Korea japanisches Protektorat wurde. Was bedeutet das nun? Japan etablierte den „Generalresidenten“. Dieser vertrat zukünftig die koreanische Außenpolitik, herrschte über die Verwaltung, das Militär sowie die Gerichte bis hin zur Polizei. Damit hatte der koreanische Kaiser also plötzlich einen ungeliebten ausländischen Chef. Opelaner können diese Situation nachempfinden.

Sonntag, 7. August 2011

Regenzeit

Fred Astair hätte nun wahrhaftig genügend Gelegenheit gehabt und auch für alle, die erst unter der Dusche ihr wahres Gesangspotential versprühen, bietet die Regenzeit schier unendliche Entfaltungsmöglichkeiten. Während der Monsun in Thailand einen berechenbaren kurzen mittäglichen Schauer beschert, flanieren graue Wolkendecken in Seoul ganztägig vor der Sonne und beglücken den Erdenbürger mal mit kleinkariertem Niesel, mal mit großzügigem Prasselregen, stets aber mit rheumatischer Feuchtigkeit. Egal was man treibt, nasse Füße sind vorprogrammiert. Und mit der Hitze halten auch die Zikaden Einzug. Der Kenner identifiziert die verschieden Arten an ihrem Flexschleifergesang. Als da wäre unter anderem das monotone weeeee[…]eeew Sirenengeheul, das in Wellen an und abschwellende miiiimiiiii[…]miiiiiimm und ein beinah wie Möwengeschrei anmudendes kreischen [Zikadengesänge und mehr]. Die eifrigen Brautwerber schaffen dabei bis zu 100 dB. Unabhängig welche Begabung euer Nachbar unter der Dusche an den Tag legt, viel eindringlicher als die Zikadenlockrufe kann es kaum werden, wenn man eigentlich in aller Stille durch den Park joggen wollte ... und zu allem Übel auch noch die Batterie vom MP3-Player leer ist.

Samstag, 6. August 2011

Teil 2: Japans Griff nach Korea


Auf der Suche nach Rohstoffen und neuen Märkten hatten die Japaner Korea als strategischen Brückenkopf identifiziert und wollten die gleiche Medizin verordnen, die auch ihren Aufschwung sichern sollte . 1876 zwangen die Japaner Korea zur Öffnung von deren Häfen. Damit legten sie sich allerdings mit der damaligen Schutzmacht China an. In der Folge kam es zum ersten Sino- Japanischen Krieg http://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Japanisch-Chinesischer_Krieg (1894 – 95). Wir wissen heute; Tom Cruise war der letzte Samurai. Und tatsächlich hat der Hollywoodstreifen einen wahren Hintergrund, denn die Samurai wehrten sich gegen die Reform des Militärs (Satsuma Rebellion http://www.taisho.com/satsuma.html). Diese Reform machte den militärischen Erfolg Japans erst möglich. Gegen diese moderne Waffentechnik hatten die Chinesen keine Chance.


Mittwoch, 3. August 2011

Teil 1: Ausgangslage – Armes Korea

Wir schreiben das Jahr 1875. Während das Osmanische Reich die Zinsen für seine Staatsanleihen um 50% reduziert und praktisch zahlungsunfähig ist, ringen in Korea abgezehrte Gestalten dem kargen Boden einige Reiskörner ab. Das Land ist arm und hat sich nach außen abgeschottet, Koreanern und Ausländern ist es verboten, die Landesgrenzen ohne Genehmigung zu überschreiten. – kommt uns das nicht bekannt vor? Einzig zu China hält man zwangsweise Verbindung, jährliche Gesandtschaften liefern die Tributzahlungen nach Peking, denn seit der Eroberung durch die Mandschu 1637 ist Korea deren Vasallenstaat („trotz formeller Selbständigkeit abhängiger, einem anderen Staat zu politischer Gefolgschaft verpflichteter Staat“). Während Japans erzwungene Öffnung in der Meiji Aera http://de.wikipedia.org/wiki/Meiji-Zeit zu einem wirtschaftlichen und industriellen Aufschwung führt, dümpelt die abgeschottete Halbinsel Korea in ihren verkrusteten gesellschaftlichen Strukturen dahin.