Geschichte und Geschichten! Was ihr noch nie über Korea wissen wolltet ... hier ist es. Viel Spaß dabei!
Dienstag, 31. Januar 2012
Frauen sollen besser fahren
Statistiken belegen, dass Frauen die besseren Autofahrer sind. Nun kann man darüber philosophieren, was unter "besser" zu versehen ist, aber Frauen sind tatsächlich in meiner Wahrnehmung die besseren Piloten. Zumindest kann ich mich nicht erinnern, dass jemals das Landemanöver einer Pilotin durch Baumbewuchs oder Bergflanken beendet wurde. Oder nehmen wir Kapitän Smith. Keine Frau hätte die Titanic trotz Eiswarnung mit Volldampf laufen lassen, immer getrieben vom Machogehabe: "ich bin der Schnellste, Beste und habe den Größten ...." Dampfer in diesem Fall. Genauso abwegig ist der Gedanke, eine Frau könnte mit einem Kreuzfahrtschiff vor der Toskana eine Eskimorolle probieren. Dies kann zu der Annahme führen, dass Frauen besser für Führungspositionen geeignet sind als Männer und es scheint, als würde sich diese Erkenntnis auch in der sonst konfuzianisch geprägten Gesellschaft Koreas durchsetzen. Denn plötzlich sind Frauen an die Spitze der beiden größten Parteien GNP (Grand National Party) und DUP (Democratic United Party) aufgestiegen und Ms. Park (GNP) wird bereits als aussichtsreiche Präsidentschaftskandidatin gehandelt (Frauen und Handel in einem Satz ... wenn das mal nicht zu falschen Suchergebnissen im Internet führt). Jedenfalls verbindet man mit der Weiblichkeit zumindest Hoffnung: [...] "many are hopeful that the new women leaders of both the ruling and opposition parties could help bring in some positive changes to the way politics is done in Korea". http://www.asiaone.com/Women take center stage Die Hoffnung stirbt zuletzt, also warum sollten Frauen eines Tages nicht tatsächlich genauso gut Auto fahren, wie wir Männer?
Mittwoch, 25. Januar 2012
Nach dem Mond
Wir haben gerade einige gemütliche Feiertage verbracht, nämlich das koreanische Neujahrsfest Seollal. Dieses fällt auf den zweiten Neumond nach der Sonnenwende und ist das höchste Fest in Korea. An diesem Fest versammelt sich die Familie, begeht gemeinsam das neue Jahr mit traditionellen Speisen und die Jugend bessert mittels vollendeter Verbeugung vor den Eltern und Großeltern die Kasse auf. Doch damit diese Tradition vollzogen werden kann, muss die ganze Familie natürlich in das Heimatdorf zurückkehren. Somit wird es in Seoul wunderbar leer und auch der Lärmpegel an den Ausfallstraßen sinkt beachtlich, da alle nur noch im Kriechgang vorwärts kommen. Wer nun aber glaubt, die Geschäfte und Museen in Seoul wären an diesen Tagen geschlossen, der sei hiermit eines Besseren belehrt. Seoul gönnt sich selbst am höchsten Feiertag keine Ruhe und verwehrt mir jedwede Ausrede, bei arktischen Temperaturen kein ofenwarmes Brot holen zu müssen.
Dienstag, 17. Januar 2012
Du musst mal wieder zum Frisör
Ihr kennt das: man kommt rundherum zufrieden nach Hause, freut sich auf einige ruhige Stunden sportlicher Betätigung am Computer und plötzlich kommt ohne Ansatz der Schlag, der die Grundfeste der Selbstzufriedenheit zu erschüttern droht: "du musst mal wieder zum Frisör". Das bedeutet drei Monate sind verdammt schnell vergangen, du sieht aus wie ein Waldschrat und das nette Lächeln und Getuschel der Damen am Nachbartisch hatte doch eher mit deinen unterschiedlichen Socken zu tun, als mit deinem gewinnenden Lächeln. Ihr erinnert euch vielleicht an meinen Erfahrungsbericht vom ersten Frisörbesuch vom 04.03.2011 in Seoul und wenn nicht, dann ist zum weiteren Verständnis eine Auffrischung durchaus sinnvoll. Mir zumindest ist beim Lesen des folgenden Artikels in der Korean Times (http://www.koreatimes.co.kr/www/news/nation/2012/01/113_102550.html) besonders ein Satz aufgefallen: "Motels and inns are found to be major sex trading places (67.2 percent), followed by brothels (13.6 percent), massage parlors (10.2 percent), private homes(5.1 percent) and barber’s (1.1 percent)." Also wenn ihr in Seoul mal einen Frisör braucht, ich kenne da eine Adresse. Aber jetzt muss ich los, mir die Haare schneiden lassen.
Freitag, 6. Januar 2012
Mal nichts von Korea
Mit Urlaub verbindet man im Allgemeinen stets angenehme Erinnerungen. Natürlich kommen auch mal Pannen vor, die aber meist nach Abklingen des Adrenalinspiegels oder nach Erhalt des Gehaltschecks als Abenteuer verbucht werden. Dem talentierten Geschichtenerzähler dienen sie -ein wenig ausgeschmückt- noch nach Jahren der Unterhaltung der schalen Partygesellschaft, wenn das Thema Bundespräsident endlich erschöpfend durch die Mangel gedreht ist. Natürlich verband ich daher mit meiner Reise nach Australien vor 18 Jahren ebenfalls fast ausschließlich positive Erinnerungen und der erzwungene Zahnarztbesuch wabert beim Genuss einer süß-sauren Pflaumensauce nur noch schwach im Gedächtnis. Gern erinnere ich mich auch des Abenteuers, als ich mich mit meinem Fahrrad auf der Mittelspur des stadteinwärts- führenden Freeway befand und zwischen den donnernden Roadtrains eine Lücke suchte, um in die Sicherheit des Standstreifens zu flüchten. Also galt es, die positiven Erinnerungen mit einer erneuten Urlaubsreise aufzufrischen und mit der Familie neue Abenteuer zu teilen. Die schönsten Momente kann man selbstverständlich nicht auf Bildern einfrieren, aber Bildchen unterstützen zumindest das Gedächtnis und ihr seid eingeladen, einen Teil unserer Eindrücke im Webalbum zu genießen. Bitte wundert euch nicht, dass es von meiner Mechanikerexpertise beim Wechsel des platten Reifens keine Bilddokumentation gibt, doch den traurigen Anblick des waidwunden Mietwagens am flimmernden Straßenrand der australischen Prärie werde ich ohnehin nicht so schnell vergessen.
Dienstag, 3. Januar 2012
Silvesterfeuerwerk
Alles Gute im neuen Jahr, verehrte Leser! Die gute Nachricht ist, dass die längste Nacht dieses Winters bereits hinter uns liegt. Apropos Silvester, habt ihr die Fernsehbilder des Feuerwerks am Burj Chalifa in Dubai gesehen ... dachte schon wir erleben die Realvariante von "Stirb langsam" und John McLaine taumelt gleich aus dem brennenden Chaos, aber zum Glück war es nur ein gigantisches Feuerwerk. Das ist das Stichwort für die Silvesterfeier hier. Als Ausklang des vergangenen Jahres und in der Hoffnung auf eine würdige Begrüßung des neuen Jahres erklommen wir unseren Hausberg Namsan, um den einzigartigen Rundumblick auf die Metropole mit ihren 10 Millionen potentiellen Knallkörperentzündungs- Managern zu genießen. Wir erreichten den Gipfel gerade, als sich beide Uhrzeiger auf der Zwölf vereinigten, doch am Himmel unter uns blieb es unspektakulär ruhig. Zum Jahreswechsel versprühten über Seoul lediglich zwei Feuerwerke ihren Charme, eines am Hyatt, das andere in der Nähe des National Theater und schon nach 10 Minuten herrschte wieder totale Stille. Keine Wunderkerzen, die respektvoll von kleinen Händen auf Abstand gehalten werden, keine Pfeiffer ab 21:40 h, keine Knaller bis 4 Uhr früh, keine Minnesänger im gleichgewichtshungernden Fersengang, keine Verbrüderungsszenen, bei denen die Sektflaschen an Schädeln zerschellen. Hier war alles ganz ruhig und gelassen, obwohl jeder Koreaner mit Neujahr ein Jahr älter geworden ist. Ohne Scherz, eigentlich wäre ein riesiges Geburtstagsfest fällig, denn das Neugeborene vom 31.12.2011 ist am 01.01.2012 bereits 1 Jahr älter- nach koreanischer Zählweise. Aber nur, wenn es opportun ist. Sollte beispielsweise freier Eintritt nur für Kinder bis 12 Jahre gelten, zählt natürlich wieder der Geburtstag. Da kann man als Ausländer mit der Zeitrechnung ganz schön durcheinander kommen und vielleicht sollten wir unseren Ausflug auf den Namsan beim nächsten Jahreswechsel auf Mitternacht legen.
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