Samstag, 30. Juni 2012

Midlife Crisis


Nun ist es wohl soweit. Natürlich möchte ich es nicht akzeptieren, aber der Artikel in der Zeitung lässt keinen Interpretationsspielraum zu und als Leser dieses Blogs habt ihr es mit Sicherheit ebenfalls vermutet. Die Midlife crisis hat zugeschlagen. War ich bisher der Meinung, die MLC äußere sich im Kauf eines Choppers nebst Fransenlederjacke und einer jungen Geliebten, so musste ich lernen, dass die Symptome dieses Geisteszustandes viel subtiler sind. Nach einer plötzlichen Taubheit in Daumen und Zeigefinger vor einer halbe Dekade hatte ich mich zum Besuch eines Fitness-Studios entschlossen, um den körperlichen Verfall zu verlangsamen. Diese Begründung kann natürlich nur vorgeschoben sein, wie der folgende Artikel schildert:
"At the beginning, they start working out for health reasons," Kim Hae-kyun, 34, a trainer at the fitness club told the JoongAng Ilbo. "But later on, most start asking questions like, 'How can I get a six-pack?' or 'How can I work on my body so I can fit into slim suits?' They're very interested in becoming a momjjang, or a fit guy." Getting obsessed about your body over the age of 40 is often called a midlife crisis. In Korea, it is becoming a national midlife crisis. In Gangnam, the number of fitness clubs that specialize in personal training (PT) increased from about 30 in 2009 to 120. Most of new comers are older than 40± the owner of a fitness club in Gangnam said (http://koreajoongangdaily-midlife crisis).
Leider ist es bei mir mit dem Pectoralis Major in den Jahren des Trainings nicht wirklich weit gekommen und vom Momijang bin ich weiter entfernt denn je, zumindest verglichen mit den Koffern, die sich im Fitnessstudio tummeln. Doch wenigstens ist es mit mir noch nicht so weit gekommen, dass ich in der Stadt der durchgehenden Ladenöffnung einen Trainer für so einfache Fragen wie: „How can I get a six-pack?“ benötige.

Samstag, 23. Juni 2012

Wie hätten Sie es denn gern


Über dem weiß geschminkten Gesicht mit roter Knollennase sitzt ein Hut mit kleiner Krempe und die weite Hose endet über dem Knöchel, um den ungehinderten Blick auf die Ringelsocken freizugeben. So kennen und lieben wir den dummen August, wenn er ungelenk durch die Manege stolpert. Auch in Seoul entdecke ich einen Hang zum clownesken, denn die schmalkrempigen Hüte waren diesen Winter bei Studenten voll im Trend und nun gesellen sich die gerade geschnittenen Hochwasserhosen dazu. Natürlich nicht in Kombination mit Ringelsocken, sondern modebewusst über Loafers ohne Socken zeigt sich die unrasierte Herrenfessel. Wie bei Hochwasser üblich, ist der Träger bemüht, die Hose ordentlich hoch zu ziehen. Entsprechend selten werden die Exemplare, die mit geblümter Unterhose über halb freigelegtem Glutäus Maximus im Bärengang über den Gehweg schlurfen. Als bekennender Modeignorant wage ich zuweilen das Abenteuer des Kleidungskaufes und so fand ich mich am Samstag bei einem Herrenschneider ein, um mir ein maßgeschneidertes Hemd anfertigen zu lassen. Au Backe, was einem dort für Entscheidungen abverlangt werden: 50 Muster, drei Stoffgüten, drei Kragenformen, Schulterpartie in der Mitte, seitlich oder nicht gerafft, mit oder ohne Tasche, mit oder ohne Initialen, in der Hose oder über der Hose getragen, Ärmel soll 4 cm über dem Ellenbogen enden oder 7 cm ...? Solche Geschmacksfragen soll einer beantworten, der Warnwesten beim radeln trägt und zu Mopedzeiten einen Helm in Signalorange besessen hat? Da wird sich wohl der Kardinal leichter tun, wenn er an der spärlich bekleideten Straßenecke angesprochen wird, wie er es denn gerne hätte.

Freitag, 1. Juni 2012

Keine Gnade bitte

Manchem wird die Szene aus dem Roman "Die Jury" von John Grisham im Gedächtnis sein, in der der verbitterte Vater die Vergewaltiger seiner kleinen Tochter im Gerichtsgebäude erschießt. Auch wenn es nicht mit unseren rechtsstaatlichen Prinzipien im Einklang steht, will ich meine uneingeschränkte Sympathie und Zustimmung zu diesem Fall von Selbstjustiz nicht verheimlichen, womit ich mir den Weg in den Ethikrat wohl endgültig verbaut haben dürfte. Und dabei bin ich dieser Tage über ein Thema gestolpert, welches durchaus einen kleinen Plausch in eben diesem Rat wert wäre: am 23 Mai 2012 wurde in Korea einem gewissen Park nach wiederholten Delikten die chemische Kastration von einem Richter verordnet (Irgend wo muss doch hier die "Daumen hoch" Schaltfläche sein). Der bekommt nun alle paar Monate sein Cocktail, wird wohl fett und Antriebslos und mit ein wenig Glück befreit er nach einer Weile die Gesellschaft von seiner Anwesenheit mittels Selbstmord ... Nebenwirkungen sind eben der Nachteil von Medikamenten. Daher wäre eine irreversible Methode in diesem Fall gewiss besser. Zu meinem Erstaunen wird die Kastration unter Zustimmung des Verurteilten sogar in Deutschland in Einzelfällen angewandt. Wohlgemerkt, bei uns ist die Zustimmung erforderlich. Ich hätte wenig ethische Bedenken, die Brüder ohne Zustimmung ans Messer zu liefern, also eine gelungene Mischung aus der koreanischen und unserer Rechtsprechung anzuwenden. Wie bitte, inhuman, nicht vertretbar? OK, will mal nicht so sein. Dann eben unter Betäubung.