Zuweilen wird man auf der Straße freundlich angesprochen, das passiert auch in Deutschland: "Haste mal 'n Euro?", "Können sie nicht klingeln ... ?", "runter vom Rasen da ...!" sind beliebte Aufhänger für eine zumeist anregende Unterhaltung. Hier scheinen Rasenflächen generell der Allgemeinheit zu gehören, sogar im Museum für Zeitgenössische Kunst lagern Picknickfreunde zwischen den Skulpturen, da rollt dann auch schon mal ein Ball gegen die Kunstwerke und auch im Zoo wird jede verfügbare Fläche von Wegelagerern besetzt. Offensichtlich können nur besondere Schutzmaßnahmen wie tiefe Gräben und Gitter verhindern, dass die Picknickdecken auch im Löwengehege ausgelegt werden. Aber angesprochen werde ich hier auch häufig, gerade jüngst umringte mich unversehens eine Schar Teenies mit blauen Bändern über der Schulter. Sie wollten meine Kenntnisse zur Jugendkultur in Korea testen. Na, da hatten sie den richtigen erwischt: Nein, die Serie "Queen Seoundock " kenne ich nicht, ich schaue kein Fernsehen. Nein, die Musik von "Rain" und "Wonder Girls" habe ich nie gehört, koreanische Maskottchen sind mir gänzlich unbekannt und Filme .... also eher weniger. Am Ende durfte ich unterschreiben, dass ich die koreanische Popkultur liebe. Das konnte ich den Mädels doch nicht ausschlagen, schließlich müssen sie als begeisterte Kulturbotschafter 50 Unterschriften sammeln. Zumindest ist das doch mal eine vernünftige Samstagsbeschäftigung für Kinder, die sonst bis 22:00 h pauken und ganz nebenbei habe ich deren Botschaft hiermit in die Welt getragen.
Geschichte und Geschichten! Was ihr noch nie über Korea wissen wolltet ... hier ist es. Viel Spaß dabei!
Mittwoch, 29. Juni 2011
Samstag, 25. Juni 2011
Seoul N Tower
Auf dem Bergrücken, der einst die Grenze Seouls nach Süden markierte, dem Namsan (Nam = Süden, San = Berg) thront stolz der Seoul N-Tower mit 236.7 m Höhe, davon misst allein die Stahlzipfelmütze 101 m. Verglichen mit den 335 m des Ginnheimer Spargel ist das noch keine Leistung, aber dafür steht der N-Tower auch 243 m hoch und bietet dem Besucher einen herrlichen Blick über die Stadt. So verwundert es wenig, dass Scharen von Seoulties den Berg in den Abendstunden erklimmen. Dies ist die Zeit der Glühwürmchen. Ihr blinken zieht den Blick in Bann und natürlich bin ich versessen darauf, im fahlen Licht die Gattung zu taxieren. Scott Karbon gefolgt von Cannondale und Giant, alles unter 8 kg und gut über 3000 €. Ein Blick in die Gesichter der Fahrer zeugt von deren Qual. Die Oberschenkel scheinen zu explodieren, die Lunge schreit nach Platz, jeder Atemzug schiebt ein Reibeisen durch die trockene Luftröhre, die Augen brennen vom Schweiß und der Pulsschlag dröhnt in den Ohren. Da muss man sich fragen, warum hetzen die eigentlich so den Berg hinauf? Diese Frage kann der steigungsleidgeprüfte Bergbiker beantworten: Die müssen oben sein, noch bevor der Gedanke „Warum tue ich mir das eigentlich an?“ das sauerstoffdefizitäre Bewusstsein erreicht. Damit wäre auch geklärt, warum so wenige Frauen unter den Radlern sind, die denken schneller als sie strampeln.
Dienstag, 21. Juni 2011
Fluchtpunkt Perspektive
Bereits die Römer haben sich der Fluchtpunkte bedient, um Perspektive in einer Zeichnung darzustellen, allerdings ging dieses Wissen verloren und wurde erst in der Renaissance wieder entdeckt. Dabei dürfen die Fluchtpunkte durchaus außerhalb des sichtbaren Bildbereiches liegen. Die moderne Kunst geht noch weiter und legt die Fluchtpunkte auf die Zeitachse, dadurch wird es abstrakt und das Verständnis des Kunstwerkes bleibt Professoren und Kuratoren vorbehalten, denn die bewegen sich in einer anderen Raum- Zeit Dimension. In dieser Welt ist es vorteilhaft, seine Fluchtpunkte innerhalb des Blickfeldes zu suchen, sonst besteht die Gefahr der Perspektivlosigkeit. Dies Schicksal trifft zweifellos das unauffällige Heer der 3000 bis 20000 Obdachlosen (Zahlen schwanken je nach Quelle), die die U- Bahnen und Parks in Seoul beleben. Andere halten sich mit dem beleben dezent zurück und entschließen sich zum ableben, denn bei der Selbstmordrate liefert sich Korea mit Japan ein Kopf an Kopf rennen um den Spitzenplatz innerhalb der OECD Staaten. Allerdings sind die Zahlen für diese Erhebung nicht mehr ganz aktuell. Bei Selbstmord kommt mir natürlich sofort die Assoziation zu Freeride- Strecken im Odenwald, aber sogar vor meiner Haustür am Namsan habe ich einen herausfordernden Singletrail durch duftenden Pinienforst gefunden. Allerdings bin ich nicht ganz sicher, ob MTB fahren im Botanischen Garten gerne gesehen wird. Im Zweifel bleibt mir als Perspektive immer noch die Flucht.
Freitag, 17. Juni 2011
Wertewandel
Manche Generationen sind einfach gekniffen. Wer hier vor dem zweiten Weltkriege geboren wurde, hat die A-Karte gezogen. Kindheit unter japanischer Okkupation, Jugend in Hunger und Zerstörung, als Arbeitstier mit Niedriglöhnen das Land unter einer Militärführung aus Ruinen aufgebaut, nun endlich im Ruhestand und zusehen, wie die alten Werte bröckeln. Noch ist es nicht offensichtlich, noch gibt es den Respekt vor dem Alter, werden Entscheidungen nicht in Frage gestellt, herrscht unterschwellig eine militärische Disziplin. Doch die Fronten bröckeln, das auf Drill und Prüfungshorror beruhende Bildungssystem wird zunehmend in Frage gestellt, und da kommt ein amerikanischer Konzern und verkündet folgendes: [...] "I am very pleased to announce that (effective immediately), the dress code policy for salaried employees is eliminated. This means that you wear what you want to wear from now on. If you want to wear a tie, wear a tie. If you want to wear jeans (any day of the week) wear jeans." Bei so viel Freiheit, muss es dem gestandenen Koreaner doch grausen und auch ich fürchte, dass hier bald die kurzen Röckchen gegen brainwashed Jeans getauscht werden. Doch wo Schatten ist, ist auch Licht, also klare Kaufempfehlung für Levis Aktien.
Samstag, 11. Juni 2011
Think big!
Stellen wir uns eine Stadt vor, bei der die Autos verschwinden. Die Straßen gehören wieder den Fußgängern und Radfahrern und öffentliche Verkehrsmittel machen die Immobilen mobil. Das ist natürlich für einen Angestellten in der Autobranche ein ziemliches Horrorszenario. Gut, dass bei uns niemand auf solche Ideen kommt, sonst müsste ich wohl im Untergrund um meinen Job kämpfen. Doch genau das ist die Idee, hinter dem Namen U-Smartway wird in Seoul ein utopisches Konzept vorangetrieben, bei dem die Autos in den Untergrund verbannt werden. Dies ist Teil eines Gesamtkonzeptes aus Erweiterung des U-Bahn Netzes, anlegen von Radwegen sowie Busspuren und einem zweigeschossigen Tunnelsystem von 149 km Länge mit 70 Ein- und Ausfahrten.´( Verkehrsprojekt Seoul U Smartway.pdf ) Ab 2012 sollen 3 Nord- Süd Achsen in Bau gehen, 35% finanziert aus öffentlichen Geldern, 65% privat finanziert. Und während der größte Strahlenschutzbunker aller Zeiten projektiert wird, werde ich mich in der Zwischenzeit nach einem Navi umsehen, dass auch im Untergrund funktioniert … und falls ich es hier nicht mehr brauche, hilft es mir ja vielleicht zukünftig in der Metropole Stuttgart.
Mittwoch, 8. Juni 2011
Spannende Geschichte- Das Attentat
18. Januar 1968, es ist bitter kalt, das Thermometer zeigt -25°C. Im Schutz der Nacht schleicht sich ein Kommando über die Befestigungsanlagen der DMZ im amerikanisch kontrollierten Sektor. Die südkoreanischen Uniformen können gegen die Kälte nur bedingt helfen, doch die Gruppe aus 31 Offizieren einer Spezialeinheit ist entschlossen. Nach zwei Jahren Training sind sie motiviert bis in die Haarspitzen, trotz der Ausrüstung von über 30 kg überwinden sie das unwegsame Gelände in einer übermenschlichen Marschgeschwindigkeit von 10km/h, vier Tagesmärsche trennen sie von ihrem Ziel und sie kommen gut voran. Doch am zweiten Tag geschieht etwas unvorhergesehenes. Ein paar Brüder fällen Holz im Wald, als sie unvermittelt dem Kommando gegenüber stehen. Eine Diskussion entbrennt, ob man die Zeugen töten soll, doch sie werden laufen gelassen, ein Fehler. Nachdem die Brüder den Zwischenfall bei der Polizei gemeldet haben, entbrennt eine Menschenjagd, doch da den Verfolgern nicht klar ist, welches Ziel und welche Richtung die Einheit hat, können die Männer ihre Mission weiter verfolgen. Am Morgen des 21. Januar 1968 trennen sie noch 750 m von ihrem Ziel. Da werden sie von einer Polizeipatroullie aufgehalten: Ausweisen! Busse nähern sich von hinten, eine Verstärkung? In dieser Situation eröffnen sie das Feuer, ein wildes Gefecht entbrennt, die Brigaden zur Bewachung des „Blauen Hauses“ sind in Sekunden zur Stelle und erwidern das Feuer. Den Offizieren bleibt nur der Rückzug, doch in den nächsten Tagen werden die Gruppen nach und nach aufgerieben, nur einer wird lebend gefasst, ein anderer kann nach Nordkorea entkommen. Das Kommando zur Ermordung des Südkoreanischen Präsidenten Park Chung-hee ist gescheitert. http://rokdrop.com/2008/12/30/dmz-flashpoints-the-blue-house-raid/
Sonntag, 5. Juni 2011
Zielfoto
… das muss ich noch kurz erzählen: heute war ich erneut auf der Pferderennbahn. Drittes Rennen, sensationell, was für ein Endspurt. Aus der vierten Reihe fulminant angezogen und zack an den führenden Reitern vorbei durch das Ziel … und nun seht euch das Zielfoto genau an, fällt euch etwas auf? Nicht? Also ich habe auch nicht viel Ahnung von Pferderennen, aber soweit ich weiss, gehört da ein Jockey drauf ... dessen hat sich das Hottehü aber schon nach 30 Metern entledigt. Na bitte, geht doch auch ohne!
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