Mittwoch, 30. März 2011

Kaninchenmimikry


Überall um mich herum buhlen grelle Leuchtreklamen um Aufmerksamkeit. Über belebten Kreuzungen blitzen überdimensionale Fernseher auf Hochhausdächern ihre Werbebotschaften in die Welt und jede Hausfassade in der Einkaufsstraße schreit mir mit Lauflichtern unverständliche Zeichen ins Auge.  Das ist wie auf einem Rummelplatz, hier ein Straßenverkäufer mit Teddybären, dort der Süßwarenstand, daneben der Eingang zum Trödelladen und dies muss die Geisterbahn sein, wegen der  unheimlichen Masken. 
Aus dem Aquarium vor dem nächsten Schaufenster kann man wahrscheinlich die Fische mit Magneten angeln und in der Drogerie sind so schöne Dosenpyramiden, da müssen doch auch irgendwo die Bälle zum werfen zu finden sein … In dem Lichtergedöns kann man schon mal den Blick für die Mitmenschen verlieren, aber dafür liefert erneut die Natur eine Lösung. Ein Kaninchen auf der Flucht würde uns im Gras überhaupt nicht auffallen, hätte es nicht diesen niedlichen weißen Stummelschwanz, der wild hüpfend  hinter ihm herjagt. Und damit man seine verehrten Mitmenschen ob der prasselnden Eindrücke nicht aus dem Auge verliert, haben sich die Designer dieser Taktik bedient und die Schuhsohlen von Stöckelschuhen rot gefärbt. Also wenn das tack – tack – tack – tack noch nicht reicht, mit den roten Sohlen ist Aufmerksamkeit garantiert. Aber warum da noch keiner sein Firmenlogo appliziert hat, ist mir ein Rätsel. Und nur um Missverständnissen bei denjenigen vorzubeugen, die sich maximale Modeignoranz auf die Fahne geschrieben haben: Nein, rosa Plastikclogs haben nicht die gleiche Wirkung, also versucht erst gar nicht, eure Schuhsohlenwerbeflächen zu vermarkten!

Dienstag, 29. März 2011

Der Problembär - oder Deutschland nach der Wahl


Psychotherapeuten lösen bekanntlich  die Probleme, von denen wir nicht wussten, dass wir sie haben. Anwälte kassieren dafür, dass sie den Vergleich in einem Streit herbeiführen, den wir ohne sie nicht gehabt hätten. Priester vergeben uns die Sünden, die wir ohne sie nicht begangen hätten. Manager machen uns dafür verantwortlich, schnellstmöglich Lösungen für Probleme zu finden, die es ohne sie nicht geben würde. Und Politiker streiten sich um die beste Lösung der Probleme, die sie selbst herbeigeführt haben indem sie Gesetzesvorhaben kassierten, als sie noch nicht verantwortlich waren.  Und der Ingenieur? Der macht zunächst eine Gleichung um das Problem zu erfassen: Problem = (Hilfreicher Psyhotherapeut +fähiger Manager- bescheidener Anwalt *  ehrlicher Priester)/ selbstloser Politiker . Und erkennt sofort: „0“ im Nenner ist mathematisch nicht definiert. Egal wie man die Gleichung umformt, für dieses Problem gibt es keine Lösung. Er schaltet also Maibritt Illner aus und geht schlafen.

Montag, 28. März 2011

Das Leben ist bunt


Ein Kleinbus bringt die Kollegen und mich täglich vom Somerset zur Firma, und unter den Kollegen sind auch einige Inder, die hier Zeichnungsdaten verwalten und pflegen. Und während wir letzten Donnerstag nach Feierabend bei trübem Wetter Richtung Hotel schaukelten, blickte ich müßig durch das Fenster und realisierte gerade gelangweilt ‘das ist Schnee‘, als ich bereits hinter mir die indischen Kollegen - etwa in einem Tonfall, als hätten sie gerade eine Giraffe am Zebrastreifen gesehen- tuscheln hörte „this is snow!“ Der nächste Morgen schenkte uns leichten Puderzucker auf den umliegenden Hügeln und während eine Kamera leise klickte schnappte ich amüsiert den Satzfetzen  „They will say this is sugar or salt“ auf. Also beschloss ich, mich gleichfalls über den Schnee zu freuen, sosehr mir auch nach Frühling war. Denn das Leben ist bunt und eine kleine Freude zeigt sich jedem, der sich freuen möchte.

Sonntag, 27. März 2011

Leben auf großem Fuß

Eigentlich ist es nicht so, dass ich besonders große Füße habe. Es ist eher das gänzliche Fehlen des Fußgewölbes, was mich zum Tragen von Schuhgröße 45 zwingt. Dies ist hier allerdings ein Alleinstellungsmerkmal und daher sind passende Socken eben nicht in jedem Bahnhofskiosk zu bekommen. Doch heute war wieder  Mantelsonntag, d.h. die Geschäfte hatten wie jeden Sonntag geöffnet und ich trug auf der Suche nach passenden Socken wie immer meinen Mantel. Fündig wurde ich schließlich bei H& M, ging glücklich zur Kasse drei Stockwerke tiefer, um mich ordentlich in die mit Absperrbändern kanalisierte Gepäckannahme Schlange zu stellen. Und da war es wieder, das Baumarktsyndrom: ausgerechnet meine lumpigen Socken für 10000 Won hatten keinen Barcode und waren damit geeignet, den Börsenwert von H& M in den Keller zu jagen. Doch stattdessen jagte der junge Angestellte flink in den dritten Stock, holte ein ähnliches Paar mit Barcode und zog dieses über den Scanner. Und in seinem Eifer hätte er mir auch fast das falsche Paar eingepackt, aber so einfach überlistet man mich nicht. Ärgerlich ist nach all dem Aufwand nur eines: wenn man beim Abschneiden dieser blöden kleinen Plastikbändchen die neuen Socken gleich mit Löchern versieht und damit den Nagel des großen Zehs in eine tiefe Sinnkriese stürzt.

Samstag, 26. März 2011

Verdunkelungsgefahr


16000000000 (gesprochen 16 Milliarden) kWh verbraucht die Deutsche Bahn im Jahr an Strom. Man sollte es nicht für möglich halten, aber eine 100 W Glühlampe besetzt die gleiche ökologische Nische wie ein ICE, ist damit unmittelbarer Nahrungskonkurrent und wurde -als Folge des Ausfalls der Klimaanlagen in den Zügen- konsequent aus dem Handel verbannt. Damit wir auch zukünftig nicht auf die Bahn verzichten müssen, wird heute (26. März 2011) nicht allein auf Glühbirnen verzichtet, sondern ab 20:30 h bis in die Morgenstunden auf die gesamte Beleuchtung http://www.earthhour.org/Homepage.aspx.  Das ist für mich ein Grund,  jetzt noch ein wenig spazieren zu gehen, denn in völliger Dunkelheit macht das Aktivieren der Bewegungsmelder ja erst richtig Spaß und vielleicht komme ich dabei auch dem Geheimnis der unbeleuchteten Fahrzeuge auf die Spur.

Erleuchtung minimiert


Auch aus unseren Städten kennt man das. Finstere Nacht und plötzlich taucht aus dem Nichts ein unbeleuchtetes Fahrzeug auf. Also reagiert man wie üblich: Lichthupe, Hupe, eindeutige Geste – Licht geht an, Mission erfolgreich abgeschlossen (vorausgesetzt es war die richtige Geste, ansonsten sieht man sich ggf. mit einem 2 m Riesen konfrontiert und nix is mit Theaterbesuch, stattdessen Eisbeutel fürs Auge). Hier gibt es wenige 2 m Riesen, dafür aber genügend, die in der Dämmerung und bei Dunkelheit gänzlich ohne Licht fahren. Als positiv denkender Beobachter sage ich: toll, die blenden wenigsten keinen. Aber es gibt einen Nachteil, denn die Seitenscheiben der meisten Fahrzeuge sind hier so dunkel getönt, als würde man bei Nacht eine Sonnenbrille tragen. Da wird es natürlich schwierig, ein unbeleuchtetes Fahrzeug  mit dem visuellen Ortungssystem zu erfassen.  Aber was steckt dahinter? Als langjähriger Fahrradfahrer weiß man, dass der Dynamo Kraft braucht, also Energie. Gleiches gilt für das Auto. Kann das der Grund sein? Sicher nicht. Vielmehr muss es daran liegen, dass hier 80 % der Fahrzeuge mit Navigationsgeräten ausgerüstet sind, nicht läppische TomTom Micromonitore sondern 7 Zoll Autokinos mit MP3, Spielen, Foto & Textanzeige, USB Port und jetzt kommt‘s: Fernseher. Und wie schaut man Fernsehen? Im Dunkeln! Da würde doch die Instrumentenbeleuchtung stören. Anders kann ich mir die vielen unterbelichteten Autofahrer nicht erklären.

Freitag, 25. März 2011

Ei gude - wiiie


Ich werde öfters gefragt, wie es mir geht und möchte hiermit alle zuhausgebliebenen beruhigen. Mir geht es gut denn wir haben Westwind und die erste Evakuierungsübung in Korea hat auch nicht weh getan. Diese wird hier regelmäßig praktiziert und so ernst genommen, wie unsere Brandschutzübung. Allerdings konnte ich in dem Kellergang, in dem wir uns einfanden, weder Wasser noch Nahrungsmittel ausfindig machen, geschweige denn eine Toilette.  Aber die nächste Übung kommt bestimmt und da kann ich mich noch ein wenig umsehen, ehe ich den Notfallrucksack fürs Büro packe. Bei den dafür nötigen Wasservorräten werde ich koreanisch lernen, zumindest um den Quellort zu entziffern. Und noch ein Hinweis für Aktienbesitzer von Saltworks – verkaufen. In nächster Zeit ist Meersalz mit Jod absolut out .