Freitag, 30. September 2011

Summer sale

Auf der Stadtkarte von Seoul nimmt der Stadtteil Myeongdong nur ein kleines Gebiet direkt nördlich am Fuße des Namsan ein. Der Mode- und Kosmetikresistente Besucher durchschlendert den Distrikt bequem in 10 Minuten, wenn er sich nicht von den vielen Straßenhändlern und Schaufensterauslagen ablenken lässt. Und er wird nicht allein sein, denn mit ihm drängen sich an normalen Wochentagen 1.5 Millionen Besucher  durch die schmalen Gassen des Viertels (Also mehr als ganz München auf 0.4 km²) . Wem das noch zu weiläufig erscheint, kann sich am Wochenende das Pflaster mit 2.3 Millionen Leibern konsumbegeistertem Frischfleisch teilen. Bei solchem Andrang ist in Myeongdong natürlich eine satte Monatsmiete fällig. Der Kosmetikladen "The Nature Republic's" zahlt beispielsweise stattliche 97250,- Euro im Monat! Trotzdem steht Seoul damit nur auf Platz 9 der teuersten Geschäftslagen, hier sind die Spitzenreiter:

1) New York’s Fifth Avenue
2) Causeway Bay in Hong Kong
3) Ginza in Tokyo.
4) Pitt Street Mall in Sydney
5) Avenue des Champs-Elysees in Paris
6) London’s New Bond Street
Quelle: Korean Times/ Cushman & Wakefield

Wahrscheinlich wird man auch zukünftig in diesen Lagen vergeblich nach Annas Wollecke, Tonis Spielzeugkiste, *** und anderen zukunftsweisenden Vornamengeschäften suchen. (*** hier sollte noch Ritas Puppenstübchen stehen- aber die gibt es wirklich, allerdings nicht in Seoul. Aber ihr seht, egal auf welche irrwitzigen Abwege meine Gedanken auch geraten mögen, irgendjemand war selbst auf diesem schmalen Grad bereits gewandelt).

Dienstag, 27. September 2011

Bildungswut

Früher brach sich gesellschaftlicher Wandel durch Revolutionen Bahn, doch in modernen Gesellschaften ist es ein schleichender Prozess. Hier ist ein gutes Beispiel dafür:
/Korean Times, 09.09.2011/: Thirty-one students in a same class of a high school in Dongjak-gu, southern Seoul, has filed a petition with the police against their 49-year-old teacher, claiming that he habitually used abusive languages and violence against them. [...] The students claimed that the office has ignored their complaints although teachers are banned from beating students since current progressive Seoul’s top educator Kwak No-hyun took office in June last year. According to the police and the school on Wednesday, the students have asked the police to give punishment to the teacher. “We thought that we have to stop him from doing such an immoral behavior,” said the students in the petition. “We no longer want to learn from the violent teacher.”
Drei Aussagen in dem Artikel finde ich bemerkenswert. Erstens die Tatsache, dass Prügelstrafe bereits seit einem Jahr an Seouls Schulen verboten ist, zweitens, dass sich Schüler trauen, ihren Lehrer anzuzeigen und drittens, dass Schüler sich erdreisten, zu denken. Durch diese Entwicklung ist Europa bereits gegangen und am Ende steht die Kapitulation der unabhängigen Unternehmerentscheidung vor der Reglementierungswut: die Quotenregelung für weibliche Chefköche in Spitzenrestaurants. Doch beruhigt euch, noch ist es nicht so weit. Derzeit diskutieren Politiker nur über die Frauenquote in der Wirtschaft- also im Appelwoilokal.

Dienstag, 20. September 2011

Bildungsausgaben


Es ist schon interessant, wie Themen von den Medien aufbereitet werden. Im Gegensatz zu Deutschland, wo bezüglich der OECD Bildungsstudie die geringe Anzahl an Absolventen thematisiert wurde (siehe Bildungsnotstand), diskutiert England die Studie im Hinblick auf die Höhe der Studiengebühren. Platz 3 hinter Korea und dem Spitzenreiter USA (telegraph.uk/education). Und was macht die Presse aus der gleichen Studie in Korea? Auch hier wird zunächst hervorgehoben, dass Korea Platz zwei bei den Bildungsausgaben bezogen auf das Bruttosozialprodukt einnimmt. Wohl gemerkt, dies beinhaltet die Ausgaben, die die Eltern beisteuern. Korean Times: "The country spent 7.6 percent of GDP on public education ― 4.7 percent by the government and 2.8 percent by the private sector ― in 2009, much higher than the OECD average of 5.9 percent. The spending by the private sector on public education was the highest among OECD countries for the 11th consecutive year, indicating that Korean parents rely heavily on private tutoring for children’s education,” a ministry official said". Später geht der Artikel auf die Anzahl der Abschlüsse ein und fasst weitere Ergebnisse der Studie zusammen. (koreatimes/nation). Könnten wir uns als Deutsche etwa anständig freuen, dass wir bei den Studiengebühren im OECD Schnitt so weit unten liegen, anstatt über die wenigen Absolventen zu jammern?
Es wäre gewiss interessant, die gesamte Studie zu erfassen und nicht nur eine durch mediale Aromaporen gefilterte Statistik. Aber die OECD verlangt für den Onlinezugriff 158 € und als guter Deutscher bin ich natürlich nicht bereit, für die Bildung zu zahlen. Deshalb muss ich mir auch die "Mountainbike" immer ausleihen.

Sonntag, 18. September 2011

Bildungsnotstand

Die Griechenlandkrise überschattet derzeit alles, sogar die Bildungskrise. Gemäß OECD Studie hat nur jeder 4. eines Jahrgangs in Deutschland einen Hochschulabschluss. Der Durchschnitt der OECD Staaten liegt bei 37 %  (tagesschau-oecdbildung & zeit bildungsbericht-oecd). Woran das liegt, werden wir nach 90 Minuten Sonntag Abend Talkshow wissen: überfüllte Hörsäle, Studiengebühren, wirtschaftlicher Druck, unbequeme Holzbänke, fehlendes WiFi im Hörsaal, unzumutbare Mensaverflegung. Sicherlich würden beispielsweise mehr Lehramt studieren, wenn die Länder die Lehrer bezahlen könnten. Aber das kostbare Gut Bildung ist bei uns umsonst - sorry, kostenlos. Für das Studium zahlen? Entschuldigung, wie soll man daneben 20 Semester lang Wohnung, I- Phone Vertrag und Auto finanzieren? Schauen wir einfach mal auf den Spitzenreiter der Statistik, Südkorea. Hier bezahlt Papa für die lieben Kleinen schlappe $ 5000 - $ 6000 (Quelle DAAD) Semestergebühren mit dem Erfolg, dass 63 % des Jahrganges einen Hochschulabschluss machen. Aber Moment, jetzt fällt es mir erst auf. Natürlich sehen wir in der Statistik alt aus. Da werden ja nur Hochschulabgänger bis 34 gezählt!

Sonntag, 11. September 2011

Wie geht es uns denn heute?

Wenn bei euch mal wieder die Stroboskopwahrnehmung durch die Zuckung am Augenlied entsteht, der Tinnitus euch die Ohren volllabert oder euer Magen das letzte der 9 Biere partout nicht bei sich behalten möchte, seid beruhigt: Ihr seid nicht allein. 30 % der Bevölkerung Europas leidet gemäß "Stern" unter psychischen Störungen (stern.de-angststoerungen). Von einer derart großen Gruppe will man ja nicht ausgeschlossen werden! Schauen wir mal, wo wir euch unterbringen: Wer den Kalorienbedarf zwischen den Mahlzeiten mit Nagelkauen deckt: Krank! Täglich Schokolade naschen, rauchen, Computerspiele, Gewichtskontrolle? Alles krank! Die Zeitschrift "Mountainbike" abonniert? Krank! Jede Folge DSDS schauen? Krank ... ok, der gehört echt in die Anstalt. Also ihr seht, wir finden schon eine Schublade für eure psychische Störung. Und was hat das alles mit Korea zu tun? Nichts! Aber falls ihr nach all den trockenen historischen Beiträgen nun Entzugserscheinungen nach spöttischen Kommentaren in diesem Blog hattet, dann solltet ihr vielleicht den Besuch eines Psychiaters erwägen. Oder kurz: Krank!

Samstag, 10. September 2011

Teil 16: Waffenstillstand

Manchmal macht der Tod einer einzigen Person einen Unterschied. Am 5. März 1953 stirbt Stalin. Auch die USA drängen unter ihrem neuen Präsidenten Eisenhower auf eine Einigung. Am Morgen des 27. Juli 1953 versammeln sich Vertreter von Amerika, der UN, China und Nordkorea in einer kahlen Baracke des kleinen Ortes Panmunjom. 
An zwei getrennt aufgestellten Schreib-tischen kratzen um 10:00 h Federn über das dünne Papier des Waffenstillstandsabkommens. Ein wenig blaue Tinte auf Zellulose, mehr ist nicht nötig, das unsinnige Blutvergießen zu beenden. 12 Stunden später, um 22:00 h schweigen die Waffen nach über drei Jahren Bruderkrieg. Doch es bleibt ein geteiltes Land zurück, getrennt durch einen 4 km breiten von Granaten umgegrabenen Streifen Land.

Donnerstag, 8. September 2011

Teil 15: Zähe Verhandlungen

Nach dem Kriegseintritt Chinas drängt MacArthur auf die Bombardierung der Mandschurei, doch Truman möchte den Konflikt auf koreanischen Boden beschränken und so wird MacArthur im April 1951 von seinem Posten als Oberbefehlshaber der UN Truppen enthoben. Beide Kriegparteien müssen erkennen, dass keine Geländegewinne mehr zu machen sind und dass es keine Vereinigung Koreas unter einer Führung geben kann. Am 10. Juli 1951 beginnen Waffenstillstands- Verhandlungen, doch in zwei Fragen ist keine Einigung zu erzielen:
1) Dem Grenzverlauf, der gemäß UN der derzeitigen Front folgen soll wohingegen der Norden auf dem 38. Breitengrad besteht und
2) der Frage der Kriegsgefangenen.
Nach 17 Tagen werden die Verhandlungen ergebnislos abgebrochen. Ein neuer Anlauf im Oktober scheitert daran, dass 70000 Kriegsgefangene nicht in den Norden zurück wollen. An den unbewohnten und von Granaten umgepflügten Höhenzügen der Front geht das Sterben weiter.

Dienstag, 6. September 2011

Teil 14: China greift ein

Nach fünf Monaten hätte der Krieg vorbei sein können, doch Mao konnte den Untergang des kommunistischen Bruderstaates nicht einfach hinnehmen. Am 24. November 1950 drängen chinesische Truppen über die Grenze der Mandschurei. Oft nur mit Handgranaten ausgerüstet greifen sie die Stellungen in menschlichen Wellen an. Unter hohen Verlusten aber mit erdrückender Übermacht branden sie während des bitter kalten koreanischen Winters nach Süden. Die Allianz beschließt den geordneten Rückzug sowie die Evakuierung Seouls. So wechselt in Seoul am 04. Januar 1951 erneut die Flagge. Doch der Triumpf ist kurz, der Gegenangriff treibt den schlecht ausgerüsteten Gegner zurück und am 15. März 1951 gehört die Stadt wieder dem Süden, während die Kommunisten noch hinter den 38. Breitengrad gedrängt werden. Nun beginnt ein zermürbender Stellungskrieg um strategische Punkte mit nur kleinen Bewegungen im Frontverlauf.

Montag, 5. September 2011

Teil 13: An der Grenze

Mit der Einnahme von Seoul und der Luftunterstützung der UN werden die Nachschubwege der nordkoreanischen Armee unterbrochen, die Tsunami zieht sich zurück. Pyongyang fällt am 19. Oktober 1950 und eine Woche später steht die 6. Infantriedivision an der Grenze zur Mandschurei, mehr gibt es nicht einzunehmen. Wieder scheint die Vereinigung Koreas in greifbare Nähe gerückt.

Samstag, 3. September 2011

Teil 12: Invasion bei Incheon

Während die ROK verzweifelt den kleinen Landstrich im Süden um Busan verteidigt, holen die Vereinten Nationen unter der Führung von General MacArthur zu einem Befreiungsschlag aus. Gegen den Widerstand der Politik behauptet sich MacArthur mit seinem Plan zu einer Invasion bei Incheon, unweit von Seoul. Durch diesen Angriff sollen die Nachschubwege der Angreifer abgeschnitten werden. 40000 Soldaten und 261 Schiffe nähern sich am 15. September 1950 im Schutze der Nacht der Küste, doch die starken Gezeiten diktieren den Angriffsplan. In den frühen Morgenstunden setzten die ersten Landungstruppen über, während das Geschützfeuer der Zerstörer die Küstenlinie umpflügt.  Die Landung gelingt innerhalb des folgenden Tages, doch beim Vorstoß auf das nur 30 km entfernte Seoul werden die UN Truppen in anhaltende Straßenkämpfe verwickelt. Erst am 27. September 1950 hissen Soldaten der ROK die koreanische Flagge auf dem Regierungsgebäude in Seoul. Wiki/Operation Chromite

Donnerstag, 1. September 2011

Teil 11: Verteidigungslinien



Durch die Sprengung der Brücke kann der Vormarsch der nordkoreanischen Truppen an der Verteidigungslinie am Hangang zunächst gebremst werden, doch bereits nach 6 Tagen rollt der erste Panzer am 03. Juli über den geflickten Übergang. Ab jetzt scheint es kein Halten mehr zu geben, wie eine Lawine überrollen die Kommunisten die Halbinsel, während die Truppen der ROK ihre Abwehrstellungen entlang des Nakdong Flusses errichten. Ihnen bleibt damit nur ein kleiner Zipfel um Busan. Bereits am 04. August 1950 stehen sich die Armeen dort gegenüber. Die Vereinigung Koreas unter kommunistischer Flagge scheint in greifbare Nähe zu rücken.