Im 24 h Laden findet man fast alles für den täglichen Bedarf. Von Chips, Bier, Snacks, Toastbrot über Batterien, Rasierschaum, Nagelscheren zu Zahnseide. Daher war dies mit bereits verbrannter Glatze meine erste Anlaufstelle auf der Suche nach Sonnencreme. Doch weder im ersten, noch im zweiten oder im dritten Laden von verschiedenen Betreibern fand ich das Gewünschte. Mein nächster Versuch galt der Apotheke, die hier ebenfalls Drogerieartikel verkauft, jedoch Fehlanzeige - dafür hätte ich etwas gegen Verbrennungen bekommen können. Fündig wurde ich schließlich im Supermarkt. Keine Riesenauswahl wie bei Schlecker, sondern eine Marke (Nivea) und genau eine Sorte: 50+. Ich bin nicht sicher, ob das für meine jugendliche Haut überhaupt geeignet ist, aber da es in der Altersklasse 30 nichts gab, griff ich zu. Aber warum ist Sonnencreme hier nicht überall erhältlich, schließlich kann es schon mal vorkommen, dass sich einige Strahlen durch den gelben Staub bohren. Der Grund könnte darin liegen, dass hier gegen die Sonne eher Hüte getragen werden. Auch Radfahrer tragen vielfach Masken. Zunächst dachte ich wegen der Kälte, doch es wurde wärmer und noch immer waren die Masken allgegenwärtig. Dann dachte ich wegen des Smog, doch dafür waren sie zu grob. Schließlich fragte ich einen Kollegen, der mir bestätigte, dass es wegen der Sonne ist. Beim Wandern sieht man sogar Frauen mit Sonnenvisieren und Papiermasken - nicht solche gegen Schweinegrippe, sondern solche, die ab den Augen die komplette Gesichtshälfte abdecken. Da kann man mal sehen, wie weltoffen Korea ist, in Frankreich würde es dafür ein Bußgeld geben. Zwischenzeitlich sind 14 Tage vergangen, und auf meiner verzweifelten Suche nach einem Queensize Bettlaken auf drei Märkten und endlosen Kaufhausetagen stolpere ich ständig über Sonnenchreme. Ich würde mich wahrscheinlich leichter tun, wenn ich auf die Bettlaken Saison warten würde.
Geschichte und Geschichten! Was ihr noch nie über Korea wissen wolltet ... hier ist es. Viel Spaß dabei!
Samstag, 30. April 2011
Dienstag, 26. April 2011
Kirschblüten und Sashimi
Die Pracht der Kirschblüten währt nur kurz und bereits nach einer Woche verwässern die ersten grünen Blattspitzen die Persilreinheit. Mit meinen bescheidenen botanischen Kenntnissen würde ich sie als Shirotae oder auch Fujiyama Kirsche identifizieren und wie ich lese, gehören sie zu den Rosengewächsen. In Japan wird die Kirschblüte mit einem schönen Picknick unter dem Kirschbaum gewürdigt und tausende von Feierfreudigen versammeln sich dazu in den Parks. Kein Fleckchen ist zu klein für ein Deckchen und kein Kirschbaum bleibt ungenutzt. In Korea geht man eher mit Gelassenheit an der Pracht vorüber, es gibt zwar einige Blütenfeste im Land, aber keiner hat unter der Krone einen in der Krone. Stattdessen gibt es Musikaufführungen, Paraden, Tanzeinlagen und andere Unterhaltung oder man spaziert schlicht unter den Bäumen dahin und genießt den zarten Duft. Ich hingegen habe die Massen vermieden und zur Stimulanz der Geruchsnerven den Fischmarkt besucht. Das ist nichts für empfindsame Nasen aber wenn man den Fluchtinstinkt unterdrücken kann, trifft man die üblichen Bekannten mit Schuppenproblemen und kann den Profis beim filetieren zusehen. Aber seid gewarnt, der Besuch fällt eher in die Kategorie Sushi- Appetitzügler und ist nicht dazu geeignet, den Nachwuchs für den Verzehr von Fisch zu begeistern. Zumindest wenn man keine Seemöwe ist.
Donnerstag, 21. April 2011
Wegen Überfüllung geschlossen
Während in Deutschland die Busunternehmer gegen die Bahn prozessieren müssen, um ein Gesetz von 1934 auszuhebeln und den Fernverkehr mit dem Bus zu ermöglichen, ist dieses Verkehrsmittel in Korea Standard. Die Busflotte in Seoul umfasst 7600 Busse (das macht bei 10.5 Millionen Einwohnern 1382 Fahrgäste pro Bus) und so ist es kein Wunder, dass die Busspur in Seoul einer Perlenkette gleicht. Beim Anblick dieser Karawane, die bedrohlich auf einen zuwalzt, atmet man nochmal tief ein, bevor der vermeintliche Dieselrauch zu vehementer Zwerchfellkontraktion führt. Doch -oh Wunder, das Übel donnert vorüber und das vegetative Nervensystem sendet keinen Sauerstoffmangelalarm an die beteiligten Organe. Der Grund liegt in der Motorisierung der Boliden, die zum Großteil nicht Heizöl verfeuern, sondern mit CNG laufen. Es gibt sogar bereits Elektrobusse mit Karbonkarosse, 120 km Reichweite und 20 min Ladezyklus und bis 2020 sollen 50% der Busflotte elektrisch fahren, um 140000 t Treibhausgase zu vermeiden. Die anderen sollen auf Hybridbetrieb umgestellt werden. Nur mal zum Vergleich, in Frankfurt gibt es 180 Busse, das macht bei 680000 Einwohnern 3777 Fahrgäste pro Bus. Ist ja klar, dass da nicht jeder einen Sitzplatz bekommt und lieber mit dem Auto fährt, denn schließlich kostet der Stehplatz das gleiche wie Parkett erste Reihe rechts.
Dienstag, 19. April 2011
Mal schauen was sich sonst so tut
Die japanische Atomkrise scheint Deutschland schwerer erwischt zu haben als alle anderen Nationen. Gestern las ich sogar einen Artikel mit der Überschrift, „Wie sicher sind unsere Forschungsreaktoren?“ mit der ernsthaften Fragestellung, ob man diese auch abschalten müsste. Zu jedem Fukushima Onlinebericht melden sich 143 Kommentatoren, die ihre Ängste, ihr Wissen und ihre Blähungen loswerden. Ich warte noch auf gute Vorschläge wie die Installation von Geigerzählern an Opernhäusern, denn erst wenn der letzte Geiger da ist, kann die Aufführung beginnen. Und wenn ich es richtig verstanden habe, gibt es bald wieder bleihaltiges Benzin, weil Blei die Strahlung gut abschirmt (oder verwechsle ich das mit Super Normalbenzin ohne Genmais). Gerüchten zufolge sind die Deutschen bereits so panisch am energiesparen, dass sie im Aufzug Fahrgemeinschaften bilden! Es soll sogar zu Hamsterkäufen gekommen sein, wobei mir nicht ganz einleuchtet, was die Menschen mit all den kleinen Tierchen anfangen wollen. Wie auch immer, auch hier in Seoul sind bereits verstrahlte Teilchen oberhalb der Nachweisgrenze gesichtet worden, die stammen vielleicht aus Nordkorea, die nun endlich unbemerkt ihre Nuklearwaffen testen können.
24.02.2011 Korean Times
Korea has diversified its product portfolio to boost the sales of nuclear power facilities. Demand is rapidly rocketing thanks to the world’s concerted efforts to reduce its heavy reliance on fossil fuels. “Local researchers have finished much work on small-sized SMART nuclear reactors and have applied for global approval, which will be reviewed next year,” […]. Asia’s fourth-largest economy has basked in the international spotlight [...] after it signed an $18.6 billion agreement to build four nuclear reactors in the United Arab Emirates by 2020.
28.03.2011 / Bloomberg
Abu Dhabi will build a nuclear power plant even after an earthquake and tsunami in Japan damaged generators there and released radioactive material [...] “It’s a technology we should bring to the region,” Abdullah Saif al-Nuaimi, director general of Abu Dhabi Water and Electricity Authority said.
11. April 2011
Prime Minister Kim Hwang-sik said Monday that Seoul will continue to pursue nuclear energy, despite concerns raised by the crisis at the Fukushima Dai-ichi plant in Japan.
Zum Glück machen wir es anders, den deutschen Weg eben und der heißt Verzicht. Verzicht auf generelle Geschwindigkeitbeschränkung und Maut auf der Autobahn. Daher ist es konsequent, Elektroautos zu fordern und auf Gas und Kohlekraftwerke zu setzen. Wer war nur gegen das Kraftwerk auf der Ingelheimer Aue? Kann mir das mal einer erklären, aus der Ferne ist das alles so schwer zu verstehen.
Montag, 18. April 2011
Zerknüllte Hoffnung
Sobald die Türen der S Bahn aufgehen, strömen ganze Massen der Pferderennbahn entgegen, denn das erste Rennen beginnt um 11:15 h. Auf dem Weg zur Strecke ergattern die Profis die neueste Rennzeitung und eilen, nach Entrichtung der 800 Won Eintritt, zunächst zu einem der zahlreichen Wettschalter. Dort versammeln sich bereits Horden vor den Bildschirmen und begutachten Platzierungen, Namen, Jockeys und Ergebnisse, während die Pferde dem Publikum auf einer kleinen Nebenbahn vorgestellt werden. Hier kann eine letzte sachkundige Begutachtung vorgenommen werden, manche Tiere sind sichtlich nervös und lassen sich nur widerwillig führen, andere sind völlig unbeeindruckt. Mit einem dicken schwarzen Filzschreiber werden auf dem Wettschein dann ca. 10 Positionen markiert, ehe die Lautsprecheransage das Rennen ankündigt. Nun strömen die Massen auf die Tribühne, Zigaretten werden angezündet, die Jockeys reiten am Publikum vorbei den Gattern entgegen und „John Deere“ sorgt hinter ihnen für eine glatte Sandbahn. Auf dem Großbildschirm verfolgen wir, wie die Pferde in die Boxen geführt werden und plötzlich geht es los. Die Kamera verfolgt das Feld, aus dem sich bald einer an die Spitze setzt, noch spielt sich alles auf der gegenüberliegenden Seite ab und ist nur über den Bildschirm zu verfolgen. Nun biegen die Reiter auf die Zielgerade ein. Die Aufregung im Publikum steigt, keinen hält es auf den Sitzen, aufgeregte Rufe schwellen zu einem allgemeinen Anfeuerungsbrausen an, die Jockeys fliegen im Windschatten der Pferdehälse, schwingen verzweifelt die Reitpeitschen gegen die Flanken, hinter den Hufen spritzen Sandfontänen, einer schiebt sich aus der dritten Reihe in einem explosiven Endspurt an den anderen vorbei und jagt mit einer halben Kopflänge Vorsprung durch die Lichtschranke. Das Publikum verlässt die Ränge und das Spiel beginnt erneut. Ein zerknitterter Wettschein bleibt einsam zurück und spielt mit dem Wind. Als ich am Nachmittag gehe, hat sich eine Schlange am Bankautomaten gebildet, wahrscheinlich Einzahlungen.
Sonntag, 17. April 2011
Ja wo laufen sie denn?
In Erwartung ausladender Hüte mit dazu abgestimmten Kleidchen, Stöckelschuhen und Netzstrumpfhosen, wie man das in Chester noch erleben darf, ging ich am heutigen Sonntag mit Joop Sommermantel und Kamera bestens ausgerüstet zur Pferderennbahn. Als uns der Zug jedoch am Bahnsteig ausspie, wurde schnell offenbar, dass diese Veranstaltung mit einem englischen Pferderennen nicht viel gemein haben würde. Das Publikum war eher von der Art, dass man der Mehrheit wenigstens etwas Glück beim Wetten wünschte. Und überhaupt waren kaum Frauen zugegen, was erstaunlich ist, denn in Seoul stöckeln 5.2 Millionen Frauen über das Pflaster und sie bilden mit 50.3% der Bevölkerung die Mehrheit. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten, denn dieser Überhang hängt mit der höheren Lebenserwartung von Frauen zusammen, daher reden wir eher über Hallux Valgus als über stöckeln. Hinzu kommt, dass mit Aufkommen der Pränataldiagnostik in den 1970 Jahren viele weibliche Föten basierend auf dem konfuzianischen Weltbild abgetrieben wurden. Wie dem auch sei, auch für den Laien sind Rennpferde elegante und anmutige Tiere und so war zumindest fürs Auge noch immer mehr geboten, als in der Mainzer Fuzo. Obwohl, Geschmack ist Geschmacksache und es soll ja Leute mit Vorliebe für Ardenner geben.
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