Fragt man einen Finanzer, was der Unterschied zwischen einer Schraube und einem Bolzen ist, wird man neben einem ratlosen Gesicht vielleicht als Definition für Schraube noch "abfällige Bezeichnung für eine Frau" bekommen und für Bolzen etwas wie "emotionsgeladenes Ballspiel ohne Eleganz" ... also Bundesligafußball. Selbst als Ingenieur fällt einem dazu nicht viel ein, wenn man die Vorlesungszeiten im "Vogelbräu" genossen hat. Zum Glück gibt es das Internet, welches dem Gedächtnis auf die Sprünge hilft und erklärt, dass die Schraube gemäß Auslegung im Gegensatz zum Bolzen nur auf Zugkräfte beansprucht wird (http://lga.de/statik_tipp_0302.pdf ). Aha, jetzt wäre das also auch geklärt. Ähnlich wie der Finanzer stehe ich ratlos vor der Frage, was der Unterschied zwischen einem Japaner und einem Koreaner ist. Würde man mich in einer beliebigen Stadt aussetzen, woran würde ich merken, wo ich bin? Nun, in Korea steht man auf Rolltreppen an der rechten Seite, damit links die eiligen Pendler passieren können. In Korea gibt es Körperkontakt, Freunde fassen sich an den Händen oder legen den Arm auf die Schulter. Rempeln kommt in der dichten Menschenmenge vor und bedarf keiner Entschuldigung- war ja schließlich keine Absicht. Schnell mal die Seitenscheibe heruntergekurbelt und dem Penner am Steuer die Meinung gesagt – wir sind aller Wahrscheinlichkeit nach in Korea. Sicherlich gibt es weitschweifende soziologische Studien über das Thema, aber ich denke, mit einem Link ist der Bildung für heute genüge getan. Aber eine Anmerkung sei erlaubt, ich liebe einfach meine beiden Gastvölkchen wie Eltern ihre ungleichen Sprösslinge.
Geschichte und Geschichten! Was ihr noch nie über Korea wissen wolltet ... hier ist es. Viel Spaß dabei!
Freitag, 23. März 2012
Samstag, 10. März 2012
Rätsel im Alltag
Ihr erinnert euch gewiss an die Rätsel aus der Kindheit, bei denen der Zeichner 5 Fehler in zwei fast identischen Zeichnungen versteckt hat. Die Blätter am Baum, Knöpfe am Mantel, Steine im Bachbett- das alles waren Objekte mit hohem Potential, die jeder Rätselfan in der ersten Durchsicht überprüfte. Auch hier sind diese Rätsel offenbar beliebt, denn an Haltestellen, in Bussen, Bahnen, auf Plakatwänden und Internetseiten; überall springen sie dem unbedarften Besucher entgegen: Bilderpaare von Gesichtern, Nasen, Augen, Oberkörpern, Hüften und schütteren Haaransätzen. Im digitalen Zeitalter natürlich nicht auf Zeichnungen, sondern Hochglanzfotos. Dem Profi fällt allerdings sofort ins Auge, dass der Künstler hier bei der Vertuschung der Unterschiede ausgesprochen schlampig war. Denn auf den ersten Blick wird offensichtlich, dass Foto 1 mit Foto 2 so gut wie keine Ähnlichkeit aufweist. Der Sinn des Rätsels scheint also darin zu liegen, das Merkmal zu finden, dass die Personen eindeutig als gleich identifiziert. Man könnte es auf mangelnde Sprachkenntnis zurückführen, dass die Koreanern diesen seltsamen Rätseln immer die Überschrift "Before- After" gegeben haben, doch der Koreaexperte weiß: es handelt sich um Reklametafeln für Schönheitsoperationen. Ich fange allerdings an zu rätseln, ob diese Änderungen unter Medizin oder Bildhauerei fallen bzw. den Tatbestand des Erbgutinformationsbetrugs erfüllen. Jedenfalls hat sich hier offenbar ein bedenklicher Schönheitswahn entwickelt der- gepaart mit dem gesellschaftlichen Phänomen des Gruppenzwangs- ein hohes Potential für Unzufriedenheit und Selbstzweifel hervorbringt. So habe auch ich begonnen zu hinterfragen, was an meinem Äußeren noch zu verbessern wäre, doch bei meinem makellosen Aussehen wird das wohl immer ein Rätsel bleiben.
| Before- After |
Samstag, 3. März 2012
Ohne Betäubung
Im heutigen Medienzeitalter werden wir häufig mit verstörenden Bildern konfrontiert, die über unseren Bildschirm flackern. Und wer kennt nicht das Entsetzen, wenn man nichtsahnend an ein Schaufenster tritt und unvorbereitet sein eigenes Konterfei in einem der ausgestellten Monitore im Halbprofil erspäht. Wenn man derart ungeschönt mit dem eigenen kalorienreduzierten Gesichtsausdruck konfrontiert wird, dann erwacht zuweilen der Wunsch nach einer chirurgischen Korrekturmaßnahme. Da diese im Allgemeinen mit bleibenden Veränderungen und erheblichen Kosten verbunden ist, wird der Gedanke allerdings selten in die Tat umgesetzt. Wer sich am N-Seoul Tower einige Minuten Zeit nimmt, für den gibt es die Schönheitskorrektur gegen 3.5 € fast geschenkt, ohne Schmerzen, Betäubung und Geschnippel. Dazu ist nichts weiter vonnöten, als sich einem der Porträtzeichner anzuvertrauen, dem es mit wenigen geschickten Kohlestrichen gelingt, die starken Wangenknochen zu verspachteln, die Schlitze zu Teddyaugen zu runden, die hohe Stirn mit Ersatzhaar zu schmücken und die flache Nasenspitze aufzupolstern. Derart im zarten Sepiabraun geschönt kann man sich endlich nicht allein an der faszinierenden Aussicht auf Seoul erfreuen, sondern auch wieder am eigenen Konterfei … bis zum nächsten Schaufenster zumindest. Und nun ist auch erklärt, weshalb mir Fahrradläden bedeutend sympathischer sind, als Elektronikmärkte.
Abonnieren
Posts (Atom)