Freitag, 25. Januar 2013

Liebe Leser


dies ist der letzte Eintrag in meiner Sammlung von Anekdoten, Fakten, Persönlichem und Wissenswerten über das Leben in Korea. Ich hatte Gelegenheit, mit einigen Expats zu sprechen, die auch in anderen Metropolen in Asien gelebt haben, darunter Singapore, Shanghai, Bangkok, Manila, Tokyo und Beijing. Seoul rangiert auf der Favoritenliste nicht immer auf Rang 1, doch die Mehrheit hat sich hier sehr wohl gefühlt. Solltet ihr, liebe Leser, jemals das Angebot erhalten, für einige Zeit nach Seoul zu kommen, so kann ich nur klar zu diesem Schritt raten. Und falls ihr euch nicht durch alle Blogbeiträge wühlen wollt, dann sind hier nochmal die Gründe.

1)        Für die nicht berufstätigen Partner wird hier unvergleichlich viel geboten (z.B. von der Seoul International Women Association "SIWA", Veranstaltungen und Kurse der "Global Center", Ausstellungen, Konzerte etc.). Damit sollte der Kommunikationsbedarf der Holden gedeckt sein und Abends gibt es Ruhe.

2)        Die Internationalen Schulen werden i.A. gelobt. Die Deutsche Schule Seoul International ist familiär, engagiert, bietet Dank der kleinen Klassen individuelle Förderung und durch den teilweise in Englisch gehaltenen Unterricht enormes Potential zur Verbesserung der Sprachkenntnisse. Für die Vermittlung koreanischer Schimpfworte ist ebenfalls durch die zweisprachigen Schüler bestens gesorgt.

3)        In Seoul findet man alles, was man benötigt. Wer auf seine deutsche Wurst und internationale Zutaten nicht verzichten möchte, sollte sich in der Nähe von Itaewon ansiedeln. Lediglich beim Schuhkauf wird es ab Größe 45 etwas enger

4)        Dank des öffentlichen Verkehrssystems kommt man einfach, günstig und schnell durch die Stadt und braucht das Auto höchstens, damit man am Samstag etwas zu putzen hat.

5)        Koreaner sind sehr nette Zeitgenossen. Man sollte lernen, sie und ihre Eigenheiten zu mögen, denn es gibt um Seoul keinen Ort, an dem man keinem Menschen begegnet- ok, die Kanalisation vielleicht.

6)        Das Leben in Seoul ist nicht billig, ganz besonders, wenn man importierte Waren erstehen mochte. Doch mit den Tips der Seoulties findet man mit der Zeit die richtigen Geschäfte- Vuitton, Porsche, Bulgari, Birkenstock ...

7)        Unzählige Wanderwege auf die Berge rund um Seoul sind schnell und einfach mit Bahn und Bus zu erreichen- und diesen Geheimtipp kennen alle.

8)        Seoul ist sicher, nicht beim überqueren einer befahrenen Straße, aber die Handtasche darf schon mal beim Stöbern durch das Angebot unbeobachtet im Einkaufswagen verweilen.

9)        Seoul ist sauber. Kein Bäckergehilfe wurde das Brot mit der bloßen Hand berühren. Wen stört es da schon, wenn alle aus einem Topf essen.

10)        Es gibt immer etwas Neues in dieser Stadt zu entdecken und sei es nur, dass das Lieblingsrestaurant über Nacht verschwunden ist.


Natürlich ist nicht alles toll, ein guter Deutscher wird stets etwas zu mäkeln finden. Wer nicht bereit ist, sich auf eine andere Umgebung einzulassen, der möchte doch bitte in seinem Schrebergärtchen bleiben. Für alle anderen bin ich nicht Bange, dass Korea sie gerne willkommen heißen wird. Wir durften hier Gäste sein und mir bleibt nur eines zu sagen: Gamshamnida/ Danke!

Besonderheiten

Es sind die kleinen Szenen, die den Charakter einer Stadt und ihre besondere Stimmung ausmachen.
Hier in Seoul stolpert man immer wieder über die Fressbuden von Straßenverkäufern. Manche haben fahrbare Stände, andere benutzen kleine Pritschenlaster, die mit Zelten umbaut werden und den Gehweg als kleine Garküchen bereichern. Doch es gibt auch einfache Händler, die sich am Straßenrand mit ihren Waren postieren, seien es Obst, Kräuter oder Fisch.  Dieser schleppt einige Wasserflaschen in einer Kühltruhe die Treppen zum N- Seoul Tower hinauf, um sie dem durstigen Bergsteiger auf halber Höhe anzubieten, jene hat sich im Zugang zur U-Bahn auf die Stufen gesetzt und backt Waffeln oder Reiskuchen. Nicht selten steht mitten auf dem Highway ein Verkäufer während sich der Verkehr zäh an ihm vorbei schlängelt - wohlgemerkt, auf dem Mittelstreifen zwischen zwei Spuren der gleichen Richtung!
Auch beim wandern in den Bergen trifft man immer wieder auf improvisierte Verkaufsstände, einmal sogar mit Tischen. Die Zähigkeit, mit der die Händler ihre Waren den Berg hinauf wuchten, ringt mir schon einigen Respekt ab. (Vielleicht werden die Waren ja auch eingeflogen, denn nicht selten stößt man in der Wildnis unvermittelt auf einen Hubschrauber Landeplatz - der Waffenstillstand ist eben doch ein fragiler Zustand). Jedenfalls führt meine angeborene Sparsamkeit dazu, dass ich meinen Proviant lieber selbst den Berg hinauf schleppe und mir das Wassereis am Gipfel- nebst anderen Bedürfnissen- verkneife. Denn eine Errungenschaft moderner Kultur habe ich trotz Lastenträgern und Heli-Landplätzen noch nicht auf den allzeit belebten Bergpfaden gefunden: das Dixi-Klo.

Sonntag, 21. Oktober 2012

Alles nur geklaut


Einer der bedeutendsten Palaste in Seoul ist der Gyeongbokgung. Der Besucher -sofern willkommen- betritt den Palastbereich durch ein gemauertes Portal mit drei Torbögen an der Südseite der Palastmauer und befindet sich dann auf einem freien Platz, der wiederum durch ein Tor begrenzt wird. Nach durchschreiten dieses Tores gelangt der Besucher in den inneren Bereich des Palastes, wo er eine Brücke überschreiten muss, um spirituelle Reinheit zu erreichen. Erst dann kann er die Empfangshalle betreten, wo der Monarch seine Regierungsangelegenheiten regelt. Ein weiteres Tor zur linken führt zu den Wohngemächern, zu dem Bereich der Kaiserin und in den Garten. Hinter dem Palast im Norden erhebt sich ein Berg, der vor den schlechten Einflüssen schützt. Nicht anders ist der Aufbau der "Verbotenen Stadt" in Beijing und doch ist diese unvergleichlich in ihrer Pracht und Dimension. Beim Betreten des ersten Vorhofes überwältigt einen die Weitläufigkeit und die schlichte Pracht der rötlichen Gebäude mit ihren gelben Ziegeldächern. Und jedes weitere Tor steigert die Verzauberung, denn immer neue wundervolle Ausblicke tun sich dem Besucher auf. Der Versuch, diesen Eindruck auf Bilder zu bannen ist  so aussichtslos, wie die Beschreibung eines Weines im Genießer Magazin. Dennoch gibt es derartige Magazine und somit erlaube ich mir, euch einen verwässerten visuellen Tropfen einzuschenken. Wenn ihr Lust habt, folgt uns durch Beijing, genießt den Frieden des Sommerpalastes, die Beschaulichkeit der schmalen Altstadtgassen, die Großartigkeit der Verbotenen Stadt, die Endlosigkeit der Großen Mauer und schließlich den Duft von Räucherstäbchen im Lama Tempel mittels der kleinen Webgalerie. Wenn ihr dann beobachtet, wie sich die Mauer über die Bergrücken schlängelt und euch die Bilder der Stadtmauer um Seoul vergegenwärtigt, dann wird es selbst für den unvoreingenommenen Betrachter offensichtlich: die kopieren schon verdammt lange … die Chinesen.

Freitag, 19. Oktober 2012

Blick in den Spiegel


Nehmt euch Zeit für ein kleines und ausgesprochen aufschlussreiches Experiment. Wenn es nicht so traurig wäre, würde ich wahrscheinlich darüber lachen. Bildet euch selbst eine Meinung und lest die folgenden Artikel in der gegebenen Reihenfolge durch: Da gelingt es dem Spiegel tatsächlich mittels Auslassung und beimengen von zusammenhanglosen Fakten ein Drohszenario aufzubauen, das dem unbedarften deutschen Leser das Bild eines kurz bevorstehenden Vernichtungskrieges suggeriert. Aus solchen Artikeln kann man bestenfalls noch Papierflieger bauen … also Blätter die fliegen … also Flugblätter … na, das lasse ich so nah an der Grenze lieber mal sein.

Freitag, 12. Oktober 2012

Kandidaten

Da haben wir wohl wieder ein Mega- Wahljahr: Mit Spannung verfolgt(e) die Welt die Präsidentschaftswahlen in den USA, Russland, Ägypten, Frankreich und Mexiko. Und auch in Süd Korea laufen sich die Kandidaten warm. Als Führer der regierenden konservativen Partei aus der Krise steht die stets freundlich geschminkte Park Geun- Hye. Sie ist die Tochter von Park Chung-hee, der das Schicksal Koreas zwischen 1963 und 1979  mit eiserner Hand diktierte und das Land in die Moderne führte /wiki/Park_Chung-hee. Bei einem Attentatsversuch auf ihren Vater 1974 wurde die Mutter von Park Geun- Hye von der verirrten Kugel tödlich getroffen. Ihr Vater Chung-hee wurde 1979 vom Chef seines Geheimdienstes ermordet. Dies dürfte ein versteckter Hinweis sein, dass seine Politik nicht nur Anhänger hatte. Trotz der Altlasten scheint Frau Park derzeit gut im Rennen zu liegen, während der Kandidat der Oppositionspartei Herr Moon durch den unabhängigen Professor Ahn, der Reformen einfordert und so die Opposition vor sich her treibt, noch in Schach gehalten wird. Man darf also gespannt sein, ob das männerdominierte Korea für eine Präsidentin reif ist. Ich freue mich jedenfalls auf den Wahltag, denn dieser ist in Korea arbeitsfrei. Wohl wegen der Qual der Wahl.