Donnerstag, 8. Dezember 2011

Es gibt keinen Mr. Lee


Zugegeben, mein Name ist für koreanische Zungen ausgesprochen (im wörtlichen Sinne) unzugänglich und ich sehe deshalb großzügig über holprige Konsonantenreihungen hinweg. Gleiches gilt auf der Gegenseite für die schludrige Aussprache koreanischer Namen. Hatte ich bisher geglaubt, die Hälfte der Bevölkerung wurde aus Lees und Parks bestehen, so darf ich mich zwischenzeitlich der höheren Einsicht rühmen, dass es diese Namen in Korea überhaupt nicht gibt. Kein Lee, kein Park, dafür Yi und Bark in Fülle. Wenn ich einem Kollegen begeistert erzähle, dass ich am Wochenende den Mt. Inwangsan bestiegen habe, ernte ich verwirrte Blicke und wiederholte Nachfragen, bis wir dahinter kommen, dass ich eigentlich auf dem "Iwaasan" war.
Und wer ist schuld? Die Romanisierung der koreanischen Schrift nach (Zitat aus Wiki:) " McCune-Reischauer wurde 1937 von den beiden Amerikanern George M. McCune und Edwin O. Reischauer geschaffen. Diese verzichteten auf eine originalgetreue Transliteration der Hangeul-Zeichen und orientierten sich mehr an einer im Hinblick auf englischsprachige Leser phonetischen Wiedergabe koreanischer Wörter". Noc Frägen?

Samstag, 3. Dezember 2011

Makgeolli


Reiswein wird urkundlich erstmals 1287 in den Aufzeichnungen Koreas erwähnt und vielleicht ist es uns heute vergönnt, den Nachfahren dieses Reisweines – den Makgeolli- zu kosten. Der ungefilterte Reiswein mit ca 6 - 7 % Alkohol steht nach fachmännischem schütteln milchig trübe im Glas und erinnert auch geschmacklich ein wenig an den Versuch, der Flasche Federweisser bei Saisonende den letzten kostbaren Tropfen abzuringen und die Hefe dabei in Kauf zu nehmen. Die findigen Produzenten begeistern derzeit vor allem junge Damen mit gepantschten Fruchtpampe "Makgeolli Cocktails". In diesem Jahr ist der Export von Makgeolli um 30% gestiegen und erreicht ein Volumen von $50 Millionen, vor allem nach Japan und China, wo das Gebräu als gesundes alkoholisches Getränk angesehen wird. Das wäre auch in Deutschland endlich eine trinkbare Alternative zu Sauerkrautsaft und Schwefelbrunnen- Quellwasser.

Dienstag, 29. November 2011

Hobbylos

Auch wenn es bislang nur von den aufmerksamsten Lesern dieses Blogs erahnt werden konnte; ich würde MTB fahren als mein Hobby bezeichnen. Umso erstaunter war ich, als in einem Gespräch "drinking Alcohol and meeting with friends" spontan als Hobby genannt wurde. Dergleichen weckt natürlich meinen Forscherdrang und so befragte ich neben dem Orakel Wikipedia (schöne Liste der WHO - vielleicht haben die Koreaner mehr slawische Gene als angenommen: wiki/List_of_countries_by_alcohol_consumption) andere Kollegen nach ihren Freizeitbeschäftigungen. Da konnte ich zum Glück noch andere Wochenend-Aktivitäten zu Tage fördern: Schlafen, zur Kirche gehen, radeln, Baseball, reisen- um nur Einige zu nennen. Allerdings ist der Konsum von Alkohol hier bei den geselligen Abendessen mit Kollegen durchaus verbreitet und der harte Kern gibt es sich anschließend gern in einer ungezügelten Absackertour. Wenn ich also schon am Erlernen der koreanischen Sprache scheitere, sollte ich vielleicht als Integrationsmaßnahme wenigstens saufen lernen.

Mittwoch, 23. November 2011

Jugendschutz

Erwachsene sind schon gemein. Erst brauen Sie mittels alkoholischer Gärung wohlschmeckende Erfrischungsgetränke, entwickeln spannende Computerspiele, preisen Zigaretten mit Cowboyromantik an, kultivieren Designerdrogen, drehen Filme die weniger Geist versprühen als Gehirnmasse und dann fällt ihnen ein, dass diese Genussmittel vor der Jugend geschützt werden müssen. Aufregende Lyrik- zumindest für die hiesige Zensurbehörde- sind auch folgende Liedtexte: "Ich träume, nachdem ich betrunken in den Schlaf gesunken bin", "so dass ich dich nicht vermisse, nachdem ich getrunken habe" und "ich sollte aufhören zu trinken, weil ich betrunken bin". Diese Texte waren bis vor Kurzem in Korea als jugendgefährdend eingestuft und damit die Lieder erst ab 19 Jahren zum Konsum freigegeben. Mit dem Wissen um die Strenge der Zensur lasse ich meinen Sohn ganz beruhigt ins Kino gehen, Radio hören und im Zeitschriftenladen stöbern. Und jetzt wird mir klar, weshalb ich hier noch kein "Asterix" Heft gesehen habe: nicht die Gewaltexzesse an adipösen Römern sind das Problem, sondern das obligatorische Gelage auf der letzten Seite!

Samstag, 19. November 2011

Hochzeitsbrauch

Vor einigen Wochen erhielt ich eine Einladung zur Hochzeit eines Kollegen. Ich war gleichermaßen irritiert, da ich nur wenig Kontakt zu dem Kollegen pflege, als auch geehrt, geladen zu sein. Da war natürlich zunächst eine Recherche erforderlich, wie denn hier die Gebräuche sind, was einen erwartet und wie alles abläuft. Dabei ist alles ganz unkompliziert. Anders als bei uns braucht man sich über das Geschenk keine Gedanken zu machen, es gibt Geld. Für einen Kollegen 50.000 KRW (ca. 30 Euro) , für einen guten Freund 100.000 KRW. Auch die Übergabe ist klar geregelt, beim 24h Laden gibt es die standardisierten Umschläge. So kam ich also schick angezogen bei der "Wedding Hall" an, fuhr mit dem Aufzug in den vierten Stock, erhielt im Gegenzug für meinen Umschlag ein Kärtchen und schüttelte dem Bräutigam die Hand, während mein Geschenkbetrag in einer Kladde notiert wurde. Dann rein in den kathedralenartigen Saal, dort lief bereits eine professionelle Powerpoint Präsentation mit weichgezeichneten Hochzeitsbildern des Paares und die letzten Gäste suchten sich einen bequemen Stehplatz an den Türen. Die Show begann pünktlich mit dem Auftritt des Bräutigams, einigen warmen Worten und schließlich schwebte die Braut auf einem offenen Balkon am hinteren Ende des Raumes herab und schritt über den Laufsteg auf Gatten und Traumeister zu. Es folgte das Übliche, blabla, Kuss, Verbeugung vor den Eltern, blabla und schließlich großes Fotoschiessen. Natürlich alles ganz professionell organisiert, immer mal wieder zwischendurch die Haare und das Kleid der Braut gerichtet, Make-up überprüft, Augen trocken getupft und Schuss. Mit Paar allein, Trauzeugen, Eltern, Verwandten und schließlich Gruppenbild mit den Bekannten. Die ganze Zeit über herrschte fröhliches Geschnatter im Saal, ein Kommen und Gehen und Applaus wo angebracht. Nach dem Fototermin ging‘s zwei Stockwerke tiefer zur Cafeteria, wo die Gäste im Schnelldurchlauf versorgt wurden und ich meine Eintrittskarte auch wieder los wurde (nach deren Anzahl wird später abgerechnet). Zum Glück waren die routinierten Besucher bereits während der Zeremonie zum Essen gegangen und hatten diese per Videoübertragung verfolgt, so dass sich nicht alles am Ende drängelte. Knapp 90 Minuten nach meinem Eintreffen spie mich das Gebäude wieder aus und wahrscheinlich wird mich die Braut erst bei Betrachtung der Hochzeitsbilder bemerken, wenn sie fragt: "Wer ist denn der Typ mit dem Fahrradhelm?"

Freitag, 11. November 2011

Lass krachen!


Anfang Juli geht eine Meldung durch die Medien: aus ungeklärter Ursache beginnt ein 39 stöckiges Gebäude auf und ab zu schwingen. 300 bis 500 Menschen müssen evakuiert werden. Das Gebäude und das darin befindliche Einkaufszentrum bleibt für 2 Tage geschlossen. Wenige Wochen danach sind die Schuldigen gefunden, eine Gruppe von Freizeitsportlern mittleren Alters hatte das Gebäude offenbar bei Tae Bo Übungen im 12. Stockwerk zum Schwingen gebracht. (http://de.wikipedia.org/wiki/Tae_Bo). Den Mainzern sind solche Phänomene ebenfalls bekannt. Seit Jahren reichen sich dort Menschen fortgeschrittenen Alters in spiritistischen Sitzungen die Hände, um unter rhythmischem Einsatz der gesamten Leibesfülle die Geister der Baustatik heraufzubeschwören. Und Zufriedenheit kehrt erst ein, wenn es wieder heißt: „Un do wackelt dä Dohm“ […]. Helau!