Wenn die Muskeln am Samstag noch warm sind vom dezentem Fitnesstraining des Vorabends, das noch klamme Sporthemd in der Waschmaschine versenkt ist und der Proviant den Rucksack sprengt, dann ist man bereit für die erholsame Bergpolonaise zusammen mit vierhundert anderen Wandervögeln im hiesigen Nationalpark Bukhansan. Doch die Hänge sind steil und die Stufen bis zum Gipfel gleichen der zweifachen Besteigung des Kölner Doms und so gelangt man nach fünf Stunden krakseln mit etwas Glück nicht nur zum Ausgangspunkt der Wanderung zurück, sondern auch zu der Einsicht, dass der Weg a) gargargarnichts fürs radeln wäre und b) auch für die alten Knochen nicht. Nachdem ich also am Sonntag das Haus mit brennenden Füßen, verkaterten Schenkeln und ziehenden Waden verlasse, ist der Tagesplan eher unspektakulär. In der Insadong- gil, einem Straßenzug in der Nähe des Palastes Geongbokgung reihen sich kleine Läden mit Künstlerbedarf, Keramik, Trödel und Souveniers aneinander und Scharen von Einheimischen und Touristen bummeln an Sonntagen über das Pflaster. Straßenhändler säumen den Gehweg und verkaufen Maronen, gekochte Seidenraupen, getrockneten Fisch, gebackene Küchlein mit roter Bohnenpaste, Süßigkeiten aus Reis, Holzspielzeug und frittierte Pfannkuchen oder lesen die Zukunft. Für mich ist das interessanteste allerdings der Besuch in einer der vielen Galerien, in denen wechselnde Ausstellungen stattfinden und die einen Hort der Ruhe darstellen. Einzig die Verteilung über 3 Etagen kann einen nach dem Samstagsprogramm dann etwas ausbremsen. Aber wie meine Familie aus leidvoller Erfahrung bestätigen kann, gibt es keine natürliche Schnittmenge zwischen "gemütlichem Bummel" und meiner Entdeckerlust. Die Membranen der Nervenzellen in meinem Hauptspeicher sind ausgesprochen undurchlässig für Gemütlichkeit, vor allem in Abwesenheit der Enzyme Familie und Freunde. So artete auch der unspektakuläre Sonntagsplan in ein "hardcore Sightseeing" aus. Nach so einem Wochenende braucht man einfach die Erholung im Büro. Das wird wahrscheinlich am ehesten ein frischgebackener Vater von Zwillingen nachempfinden können.
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