Samstag, 25. Juni 2011

Seoul N Tower

Auf dem Bergrücken, der einst die Grenze Seouls nach Süden markierte, dem Namsan (Nam = Süden, San = Berg) thront stolz der Seoul N-Tower mit 236.7 m Höhe, davon misst allein die Stahlzipfelmütze 101 m. Verglichen mit den 335 m des Ginnheimer Spargel ist das noch keine Leistung, aber dafür steht der N-Tower auch 243 m hoch und bietet dem Besucher einen herrlichen Blick über die Stadt. So verwundert es wenig, dass Scharen von Seoulties den Berg in den Abendstunden erklimmen. Dies ist die Zeit der Glühwürmchen. Ihr blinken zieht den Blick in Bann und natürlich bin ich versessen darauf, im fahlen Licht die Gattung zu taxieren. Scott Karbon gefolgt von Cannondale und Giant, alles unter 8 kg und gut über 3000 €. Ein Blick in die Gesichter der Fahrer zeugt von deren Qual. Die Oberschenkel scheinen zu explodieren, die Lunge schreit nach Platz, jeder Atemzug schiebt ein Reibeisen durch die trockene Luftröhre, die Augen brennen vom Schweiß und der Pulsschlag dröhnt in den Ohren. Da muss man sich fragen, warum hetzen die eigentlich so den Berg hinauf? Diese Frage kann der steigungsleidgeprüfte Bergbiker beantworten: Die müssen oben sein, noch bevor der Gedanke „Warum tue ich mir das eigentlich an?“ das sauerstoffdefizitäre Bewusstsein erreicht. Damit wäre auch geklärt, warum so wenige Frauen unter den Radlern sind, die denken schneller als sie strampeln.

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