Bereits die Römer haben sich der Fluchtpunkte bedient, um Perspektive in einer Zeichnung darzustellen, allerdings ging dieses Wissen verloren und wurde erst in der Renaissance wieder entdeckt. Dabei dürfen die Fluchtpunkte durchaus außerhalb des sichtbaren Bildbereiches liegen. Die moderne Kunst geht noch weiter und legt die Fluchtpunkte auf die Zeitachse, dadurch wird es abstrakt und das Verständnis des Kunstwerkes bleibt Professoren und Kuratoren vorbehalten, denn die bewegen sich in einer anderen Raum- Zeit Dimension. In dieser Welt ist es vorteilhaft, seine Fluchtpunkte innerhalb des Blickfeldes zu suchen, sonst besteht die Gefahr der Perspektivlosigkeit. Dies Schicksal trifft zweifellos das unauffällige Heer der 3000 bis 20000 Obdachlosen (Zahlen schwanken je nach Quelle), die die U- Bahnen und Parks in Seoul beleben. Andere halten sich mit dem beleben dezent zurück und entschließen sich zum ableben, denn bei der Selbstmordrate liefert sich Korea mit Japan ein Kopf an Kopf rennen um den Spitzenplatz innerhalb der OECD Staaten. Allerdings sind die Zahlen für diese Erhebung nicht mehr ganz aktuell. Bei Selbstmord kommt mir natürlich sofort die Assoziation zu Freeride- Strecken im Odenwald, aber sogar vor meiner Haustür am Namsan habe ich einen herausfordernden Singletrail durch duftenden Pinienforst gefunden. Allerdings bin ich nicht ganz sicher, ob MTB fahren im Botanischen Garten gerne gesehen wird. Im Zweifel bleibt mir als Perspektive immer noch die Flucht.
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