Geschichte und Geschichten! Was ihr noch nie über Korea wissen wolltet ... hier ist es. Viel Spaß dabei!
Dienstag, 24. Mai 2011
Kein Land für Dinos
Australier sind anders, was nicht verwundert, wenn man sein Leben lang verkehrt herum durch das Universum gleitet, links fährt, kriminelle Vorfahren hat und stets dem importierten englischen Humor der Mitmenschen ausgesetzt ist. David, ein alter Buddy von „Down Under“, ist des Öfteren dienstlich hier und kann Korea keine positive Seite abgewinnen, denn er ist passionierter Postkartenschreiber. Während es in Füssen nicht schwer fällt seine Bekannten mit Kitschansichten von Neuschwanstein mit Sonne, Schnee, Herbstlaub, Morgennebel und Mikey Mouse zu erfreuen, findet man in Korea fast keine Ansichtskarten. Mit etwas Glück ergattert man Seoul N Tower oder einen Palast, aber nirgends ist ein wackeliger Drehständer mit Auswahl von 40 Ansichten, drei Größen, mit und ohne weißem Rand oder sonnengebleichten und feuchtigkeitsgewellten Fotocollagen zu finden. Ich kann nur spekulieren, woran das liegen mag: Korea war bis in die 1970er Jahre ein bettelarmes Land, regiert von einem Militärregime, nach Norden abgeschlossen ohne nennenswerte Industrie. Nach Ende des Koreakrieges 1953 lag das jährliche pro Kopf Einkommen bei 67 $/a. Dies änderte sich rapide innerhalb der letzten 30 Jahre, doch bis zu den Olympischen Spielen 1988 in Seoul war Korea ein weißes Feld auf der touristischen Landkarte. Und was hatte es auch nach der totalen Zerstörung durch die Kriege zu bieten? Koreaner konnten und durften nicht Reisen und ins Land kamen lediglich Geschäftsreisende, die alles andre als Ansichtskarten suchten. Es gab also schlicht keinen Bedarf. Und heute: Also bitte, wer außer meinem Dinosaurierfreund David schreibt denn noch Postkarten, wenn man das Postfach seiner Bekannten mit dem 3D Full- HD Stereo "verwackelt im Straßencafe mit Gegenlicht" Vidoeclip über das Handy zumüllen kann?
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen