Dienstag, 17. Januar 2012

Du musst mal wieder zum Frisör

Ihr kennt das: man kommt rundherum zufrieden nach Hause, freut sich auf einige ruhige Stunden sportlicher Betätigung am Computer und plötzlich kommt ohne Ansatz der Schlag, der die Grundfeste der Selbstzufriedenheit zu erschüttern droht: "du musst mal wieder zum Frisör". Das bedeutet drei Monate sind verdammt schnell vergangen, du sieht aus wie ein Waldschrat und das nette Lächeln und Getuschel der Damen am Nachbartisch hatte doch eher mit deinen unterschiedlichen Socken zu tun, als mit deinem gewinnenden Lächeln. Ihr erinnert euch vielleicht an meinen Erfahrungsbericht vom ersten Frisörbesuch vom 04.03.2011 in Seoul und wenn nicht, dann ist zum weiteren Verständnis eine Auffrischung durchaus sinnvoll. Mir zumindest ist beim Lesen des folgenden Artikels in der Korean Times (http://www.koreatimes.co.kr/www/news/nation/2012/01/113_102550.html) besonders ein Satz aufgefallen: "Motels and inns are found to be major sex trading places (67.2 percent), followed by brothels (13.6 percent), massage parlors (10.2 percent), private homes(5.1 percent) and barber’s (1.1 percent)." Also wenn ihr in Seoul mal einen Frisör braucht, ich kenne da eine Adresse. Aber jetzt muss ich los, mir die Haare schneiden lassen.

Freitag, 6. Januar 2012

Mal nichts von Korea

Mit Urlaub verbindet man im Allgemeinen stets angenehme Erinnerungen. Natürlich kommen auch mal Pannen vor, die aber meist nach Abklingen des Adrenalinspiegels oder nach Erhalt des Gehaltschecks als Abenteuer verbucht werden. Dem talentierten Geschichtenerzähler dienen sie -ein wenig ausgeschmückt- noch nach Jahren der Unterhaltung der schalen Partygesellschaft, wenn das Thema Bundespräsident endlich erschöpfend durch die Mangel gedreht ist. Natürlich verband ich daher mit meiner Reise nach Australien vor 18 Jahren ebenfalls fast ausschließlich positive Erinnerungen und der erzwungene Zahnarztbesuch wabert beim Genuss einer süß-sauren Pflaumensauce nur noch schwach im Gedächtnis. Gern erinnere ich mich auch des Abenteuers, als ich mich mit meinem Fahrrad auf der Mittelspur des stadteinwärts- führenden Freeway befand und zwischen den donnernden Roadtrains eine Lücke suchte, um in die Sicherheit des Standstreifens zu flüchten. Also galt es, die positiven Erinnerungen mit einer erneuten Urlaubsreise aufzufrischen und mit der Familie neue Abenteuer zu teilen. Die schönsten Momente kann man selbstverständlich nicht auf Bildern einfrieren, aber Bildchen unterstützen zumindest das Gedächtnis und ihr seid eingeladen, einen Teil unserer Eindrücke im Webalbum zu genießen. Bitte wundert euch nicht, dass es von meiner Mechanikerexpertise beim Wechsel des platten Reifens keine Bilddokumentation gibt, doch den traurigen Anblick des waidwunden Mietwagens am flimmernden Straßenrand der australischen Prärie werde ich ohnehin nicht so schnell vergessen.

Dienstag, 3. Januar 2012

Silvesterfeuerwerk


Alles Gute im neuen Jahr, verehrte Leser! Die gute Nachricht ist, dass die längste Nacht dieses Winters bereits hinter uns liegt. Apropos Silvester, habt ihr die Fernsehbilder des Feuerwerks am Burj Chalifa in Dubai gesehen ... dachte schon wir erleben die Realvariante von "Stirb langsam" und John McLaine taumelt gleich aus dem brennenden Chaos, aber zum Glück war es nur ein gigantisches Feuerwerk. Das ist das Stichwort für die Silvesterfeier hier. Als Ausklang des vergangenen Jahres und in der Hoffnung auf eine würdige Begrüßung des neuen Jahres erklommen wir unseren Hausberg Namsan, um den einzigartigen Rundumblick auf die Metropole mit ihren 10 Millionen potentiellen Knallkörperentzündungs- Managern zu genießen. Wir erreichten den Gipfel gerade, als sich beide Uhrzeiger auf der Zwölf vereinigten, doch am Himmel unter uns blieb es unspektakulär ruhig. Zum Jahreswechsel versprühten über Seoul lediglich zwei Feuerwerke ihren Charme, eines am Hyatt, das andere in der Nähe des National Theater und schon nach 10 Minuten herrschte wieder totale Stille. Keine Wunderkerzen, die respektvoll von kleinen Händen auf Abstand gehalten werden, keine Pfeiffer ab 21:40 h, keine Knaller bis 4 Uhr früh, keine Minnesänger im gleichgewichtshungernden Fersengang, keine Verbrüderungsszenen, bei denen die Sektflaschen an Schädeln zerschellen. Hier war alles ganz ruhig und gelassen, obwohl jeder Koreaner mit Neujahr ein Jahr älter geworden ist. Ohne Scherz, eigentlich wäre ein riesiges Geburtstagsfest fällig, denn das Neugeborene vom 31.12.2011 ist am 01.01.2012 bereits 1 Jahr älter- nach koreanischer Zählweise. Aber nur, wenn es opportun ist. Sollte beispielsweise freier Eintritt nur für Kinder bis 12 Jahre gelten, zählt natürlich wieder der Geburtstag. Da kann man als Ausländer mit der Zeitrechnung ganz schön durcheinander kommen und vielleicht sollten wir unseren Ausflug auf den Namsan beim nächsten Jahreswechsel auf Mitternacht legen.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Es gibt keinen Mr. Lee


Zugegeben, mein Name ist für koreanische Zungen ausgesprochen (im wörtlichen Sinne) unzugänglich und ich sehe deshalb großzügig über holprige Konsonantenreihungen hinweg. Gleiches gilt auf der Gegenseite für die schludrige Aussprache koreanischer Namen. Hatte ich bisher geglaubt, die Hälfte der Bevölkerung wurde aus Lees und Parks bestehen, so darf ich mich zwischenzeitlich der höheren Einsicht rühmen, dass es diese Namen in Korea überhaupt nicht gibt. Kein Lee, kein Park, dafür Yi und Bark in Fülle. Wenn ich einem Kollegen begeistert erzähle, dass ich am Wochenende den Mt. Inwangsan bestiegen habe, ernte ich verwirrte Blicke und wiederholte Nachfragen, bis wir dahinter kommen, dass ich eigentlich auf dem "Iwaasan" war.
Und wer ist schuld? Die Romanisierung der koreanischen Schrift nach (Zitat aus Wiki:) " McCune-Reischauer wurde 1937 von den beiden Amerikanern George M. McCune und Edwin O. Reischauer geschaffen. Diese verzichteten auf eine originalgetreue Transliteration der Hangeul-Zeichen und orientierten sich mehr an einer im Hinblick auf englischsprachige Leser phonetischen Wiedergabe koreanischer Wörter". Noc Frägen?

Samstag, 3. Dezember 2011

Makgeolli


Reiswein wird urkundlich erstmals 1287 in den Aufzeichnungen Koreas erwähnt und vielleicht ist es uns heute vergönnt, den Nachfahren dieses Reisweines – den Makgeolli- zu kosten. Der ungefilterte Reiswein mit ca 6 - 7 % Alkohol steht nach fachmännischem schütteln milchig trübe im Glas und erinnert auch geschmacklich ein wenig an den Versuch, der Flasche Federweisser bei Saisonende den letzten kostbaren Tropfen abzuringen und die Hefe dabei in Kauf zu nehmen. Die findigen Produzenten begeistern derzeit vor allem junge Damen mit gepantschten Fruchtpampe "Makgeolli Cocktails". In diesem Jahr ist der Export von Makgeolli um 30% gestiegen und erreicht ein Volumen von $50 Millionen, vor allem nach Japan und China, wo das Gebräu als gesundes alkoholisches Getränk angesehen wird. Das wäre auch in Deutschland endlich eine trinkbare Alternative zu Sauerkrautsaft und Schwefelbrunnen- Quellwasser.