Ich vermute, Baseball wird mit einer heißen Kartoffel gespielt: alle tragen dick gepolsterte Lederhandschuhe, alle freuen sich, wenn die Kugel möglichst weit geschlagen wird, und sollte doch einer fangen, dann schmeißt er sie noch in der gleichen Bewegung schnellstmöglich an den nächsten weiter. Vielleicht liegt die Eile aber daran, dass die staubige Knolle so ungesund ist, denn in vier koreanischen Baseballstadien wurde der Grenzwert für Asbest im Streubelag um das 10- Fache überschritten. Da hier das Asbestverbot erst im nächsten Jahr vollständig umgesetzt sein wird, wundert es nicht, dass asbesthaltige Stoffe zwar in den Medien aufgewirbelt werden, aber auf dem Spielfeld wegen der Einnahmeausfälle bis nach der Saison liegen bleiben. Dabei ist Asbest ein natürlicher Bodenstoff, der vielfach im Tagebau gewonnen wird und seit 3000 Jahren unter anderem in Kleidung, bei der Bestattung (Römer/ Ägypter/ Inder) und beim Bau von Blockhäusern (Finnland) genutzt wurde. Die gesundheitsschädigende Wirkung wurde bereits um 1900 vermutet und ist seit Mitte des letzten Jahrhunderts bekannt. Zum Glück konsumiere ich weder Talkum in Kaugummis noch Babypuder, allerdings läuten bei mir die Alarmglocken, nachdem auch an Fahrradrahmen aus China Asbest nachgewiesen wurde. Nun mache ich mir ernsthaft Gedanken, welcher Anteil meines Microfaser Sportshirts bereits in meiner Lunge steckt. Da sehnt man sich nach der reinen Luft Kanadas, aber Kanada ist nach Russland der zweitgrößte Exporteur von Asbest, dessen weltweite Produktion im Jahr 2008 bei 2 180 000 t lag. Natürlich ist die Nutzung von Asbest in Kanada -wie in den meisten Industriestaaten- verboten und so landen die niedlichen Mineralfasern hauptsächlich in indischen Lungen. Tja, eigentlich wollte ich in Seoul die Gelegenheit nutzen, mir mal ein Baseballspiel im Stadion anzusehen, aber das verfolge ich nun lieber im Fernsehen, als atemlos auf der Tribühne. Dafür reift in mir die Erkenntnis, warum der "Catcher" immer diesen Maulkorb tragen muss: damit er die heiße Kartoffel nicht isst. (Quellen: BR-online, KR Times, Wikipedia, mbendi.com)
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