Samstag, 23. Juni 2012

Wie hätten Sie es denn gern


Über dem weiß geschminkten Gesicht mit roter Knollennase sitzt ein Hut mit kleiner Krempe und die weite Hose endet über dem Knöchel, um den ungehinderten Blick auf die Ringelsocken freizugeben. So kennen und lieben wir den dummen August, wenn er ungelenk durch die Manege stolpert. Auch in Seoul entdecke ich einen Hang zum clownesken, denn die schmalkrempigen Hüte waren diesen Winter bei Studenten voll im Trend und nun gesellen sich die gerade geschnittenen Hochwasserhosen dazu. Natürlich nicht in Kombination mit Ringelsocken, sondern modebewusst über Loafers ohne Socken zeigt sich die unrasierte Herrenfessel. Wie bei Hochwasser üblich, ist der Träger bemüht, die Hose ordentlich hoch zu ziehen. Entsprechend selten werden die Exemplare, die mit geblümter Unterhose über halb freigelegtem Glutäus Maximus im Bärengang über den Gehweg schlurfen. Als bekennender Modeignorant wage ich zuweilen das Abenteuer des Kleidungskaufes und so fand ich mich am Samstag bei einem Herrenschneider ein, um mir ein maßgeschneidertes Hemd anfertigen zu lassen. Au Backe, was einem dort für Entscheidungen abverlangt werden: 50 Muster, drei Stoffgüten, drei Kragenformen, Schulterpartie in der Mitte, seitlich oder nicht gerafft, mit oder ohne Tasche, mit oder ohne Initialen, in der Hose oder über der Hose getragen, Ärmel soll 4 cm über dem Ellenbogen enden oder 7 cm ...? Solche Geschmacksfragen soll einer beantworten, der Warnwesten beim radeln trägt und zu Mopedzeiten einen Helm in Signalorange besessen hat? Da wird sich wohl der Kardinal leichter tun, wenn er an der spärlich bekleideten Straßenecke angesprochen wird, wie er es denn gerne hätte.

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