
Genau wie in Japan: einen Frisörsalon erkennt man schon von weitem daran, dass sich davor eine weiße Säule mit blauen und roten Spiralen dreht. Ansonsten hätte ich den schmalen Treppenabgang auch nie als Zugang zu einem Frisör erwogen und hätte bereits vor dem ersten Absatz auf selbigem kehrt gemacht. So aber wagte ich mich die enge Stiege hinab, um direkt an ihrem Fuß an einer niedrigen Wohnungstür zu stranden. Kein Zeichen, kein Hinweis, ich wurde skeptisch. Durch eine kleine Scheibe in der Tür war ich bereits entdeckt worden und konnte nicht einfach den Rückzug antreten, also öffnete ich unter Verbeugungen zögerlich die Tür. Mich empfing eine Dame im Minikleid in einem winzigen, völlig überheizten Raum, bei dem mein Blick zunächst auf den Fernseher und dann auf eine Liege links neben der Tür fiel. „Massage …?“ fragte die Dame, worauf ich nun völlig verunsichert nur „ äähhh ... is this not a Barbershop?“ stammeln konnte. Sie bedeutete mir, einen Augenblick zu warten und holte mit wenigen geflüsterten Worten einen Mann aus dem Nebenraum. Nein, er könne auch kein Englisch, aber er könne mir die Haare schneiden. Auf einem Zettel kritzelte er den Preis, 10000 Won. Ich war zufrieden und folgte ihm in einen kurzen schmalen Gang, wo sich linkerhand ein Separee von der Größe eines Gäste-WCs auftat, welches fast gänzlich von dem breiten Frisörsessel und einem Waschbecken eingenommen war. Und dann kam das Übliche: Hemdknopf auf, Kragen umgeschlagen, Handtuch und Papierstreifen um den Nacken, noch ein Handtuch auf die Brust, Frisörüberhang und Werkzeuge raus. Die nächsten 20 Minuten hörte man nichts, außer dem Klappern der Schere. Richtig schön, wenn man sich als Smalltalk- Legastheniker nicht mit dem Frisör über das Wetter und die Bundesliga unterhalten muss. Und was soll ich euch sagen, endlich hat mal einer genau so geschnitten, wie ich es wollte. Wahrscheinlich weil er keinen meiner Erklärungsversuche verstand.
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