Das YouTube Video des koreanischen Poppers (meine Generation kann mit
diesem Begriff etwas anfangen) Psy hat es in den USA bis in die Nachrichtensendungen geschafft und es
würde mich nicht wundern, wenn auch in Deutschland bereits einige den
Pferdetanz verinnerlichen. Schließlich hat sogar der Spiegel das Thema im
August aufgegriffen. Aber was ist eigentlich der besagte "Gangnam
style". Gehen wir schlappe 50- 60 Jahre zurück in der Geschichte: die Stadt
Seoul hat die Gegend südlich des Han Flusses noch nicht überwuchert und vor uns
erstrecken sich lediglich Felder mit einigen versprenkelten ärmlichen Hütten.
Heute ist aus der ärmlichen Gegend eines der wohlhabendsten Stadtviertel
hervorgegangen, Nobelgeschäfte buhlen Schulter an Schulter um die Gunst der
flanierenden Städter, Luxusfahrzeuge drängeln sich durch den breiigen Verkehr
und die Raucher versammeln sich in designierten Zonen in ihrer Flucht vor dem
wabernden Parfümduft. Wer hier ein Apartment besitzt, hat es geschafft und ein
Blick in die Tiefgarage verrät den Stellenwert von Automobilen als
Statussymbol. Natürlich gehen die Kinder der Arzte, Juristen, Schauspieler
und CEOs vorzugsweise in die internationalen Schulen. Dabei gibt es
allerdings einen Haken. Wer der koreanischen Bildungshölle entgehen will, muss
mindestens 3 Jahre im Ausland verbracht haben. Was also tun, wenn man diese
Zeit nicht vorweisen kann? Gegen eine kleine Geldzuwendung an einen Mittelsmann
wird der Lebenslauf des kleinen Vollblutkoreaners um eine Prise Auslandserfahrung
in einer südamerikanischen Bananenrepublik aufgefrischt. Das also scheint der
"Gangnam Style" zu sein, denn derzeit ermittelt die
Staatsanwaltschaft in 60 Fällen von Dokumentenfälschung im Zusammenhang mit
Auslandsschulen. Den Eltern drohen bis zu 5 Jahren Haft und vielleicht nutzen
sie ja die Zeit, um den witzigen Pferdetanz zu lernen. Der kleine Hengst auf
der Haube des Ferrari wird jedenfalls einige Zeit vergeblich auf einen Ausritt
warten.
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