Freitag, 24. Februar 2012

Fußgänger Grauzone

Verkehrsregeln in Seoul unterliegen offenbar besonderen Auslegungsrichtlinien. Als Motorradkurier beispielsweise funktioniert das Abbiegen nach links etwa folgendermaßen:
  • Werde dir deiner Unverwundbarkeit und deiner 9 Leben bewusst
  • Wisse, dass moderne Fahrzeuge keine toten Winkel haben
  • Schlängle dich durch die wartende Fahrzeugkolonne rechts, links, unter Einbeziehung des Gehweges, der Sperrflächen und der Gegenspur bis zum Erreichen der Pole Position
  • Nutze die Fußgängerampel mit Zebrastreifen, um vor der Fahrzeugkolonne die Straße zu überqueren
  • Bekunde diese Absicht gegenüber Fußgängern unmissverständlich durch zügiges Beschleunigen
  • Schmuggle dich je nach Ampelschaltung erneut über die Fußgängerampel oder fahre im Gegenverkehr über die Kreuzung bis zum Erreichen der gewünschten Spur
  • Betrachte alle Verkehrsteilnehmer mit Ausnahme von Bussen und Taxis als nicht existent.
Doch die ungebremsten Zeiten der Motorradkuriere neigen sich dem Ende. Ab sofort heißt es, einen Gang zurück schalten, denn bis Ende März werden die Gehsteigraser zur Kasse gebeten (http://koreajoongangdaily-Gehsteiraser). 35000 Won kostet der Spaß, also scheint das Gefährdungspotential geringer zu sein als durch Raucher (siehe Rauchverbot). Wohlgemerkt: nur die Raser! Keiner behelligt schließlich ohne Not die vernünftigen Multifunktionsflächenbenutzer, nur um eine Verkehrsregel durchzusetzen. Und das finde ich wieder so sympathisch an meinem Gastland. Denn ich bin außer Gefahr, wenn ich mal wieder mit "Kette rechts" auf dem leicht abschüssigen Gehweg cruise.

1 Kommentar:

  1. Nur für diejenigen, die mit Kettenschaltungen am Fahrrad nicht so vertraut sind (und daher stets im gleichen Gang fahren oder- den technischen Fortschritt ignorierend- ihrer 3-Gang Torpedo Schaltung anhängen): Kette rechts bedeutet maximale Geschwindigkeit bei minimaler Trittfrequenz oder weniger technisch (für die 3- Gang Torpedo Fraktion) nix für bergauf aber supi für bergab.

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